Hintergründe
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2.2.1.Hintergründe


Historisch gesehen, ist das System industrieller Beziehungen in den Niederlanden stark von der Tendenz geprägt, gemeinschaftliche Organisationen zu gründen, deren Grundlage religiöse oder ideologische Überzeugungen sind. Katholiken, Protestanten und Sozialdemokraten haben ihre eigenen Organisationen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens: in Bildung, Gesundheitswesen, Wohlfahrt, Massenmedien, Politik und auch in der Wirtschaft, was in getrennten Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen zum Ausdruck kommt. Die Vernetzung aller Organisationen, die eine gemeinsame ideologische Grundlage haben, führte jedoch zu einer Zergliederung der Gesellschaft. Jedes dieser Segmente brachte seine eigene Elite hervor, die das gesellschaftliche Leben in ihren eigenen religiösen Gruppierungen bestimmte. Durch Beratungen und Verhandlungen mit den Eliten anderer Segmente schufen sie eine integrierte nationale Struktur. Die Soziologen haben für dieses gesellschaftliche Organisationsprinzip den Begriff "Säulenbildung" (verzuiling) eingeführt.

Der Einfluß auf die industriellen Beziehungen war enorm. Die "Säuleneliten" entwickelten sehr unterschiedliche Anschauungen über potentielle und erstrebenswerte Beziehungen zwischen Arbeit und Kapital, besonders wenn es um die Entscheidung zwischen Antagonismus und Kooperation ging. Was die Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft - noch spezieller: zwischen Staat und Wirtschaft - anbelangt, so hegte jede "Säulenelite" ihre eigenen Überzeugungen. Die Kombination der Interessen aller "Säulen" wie auch der Umstand, daß keine von ihnen jemals die Vorherrschaft erlangen konnte, förderten eine Kultur des Pluralismus, der gemäßigten staatlichen Interventionen sowie der Beratung und Verhandlung anstelle von Konfrontation.

Seit den sechziger Jahren löst sich dieses Phänomen der "Säulenbildung" allmählich auf und hat als Organisationsprinzip viel von seiner Bedeutung für die heutige Gesellschaft eingebüßt. Doch selbst in der Wirtschaft sind noch einige Reste sichtbar. Und sicherlich ist auch die der "Säulenbildung" zu verdankende Verhandlungskultur ein herausragendes Merkmal der niederländischen Gesellschaft.

Gegenwärtig wird die kollektive Selbstorganisation der Arbeitgeber von zwei Prinzipien dominiert: Wirtschaftszweig und Unternehmensgröße. Die Gewerkschaften folgen der Unterteilung nach Wirtschaftszweigen (z.B. der Verband der Graphiker), wobei auch manchmal Sektorengrenzen überschritten werden (z.B. Industriegewerkschaften), und manchmal begrenzen sie sich selbst auf unterschiedliche - oder eine Gruppe ähnlicher - Berufe (z.B. Journalisten).


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