Auf der Grundlage einer Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften wurde in Irland die Lehrlingsausbildung reformiert. Das neue System (Standards-Based-Apprenticeship) ist für die Arbeitgeber kosteneffektiver, effizienter und flexibler und führt die Auszubildenden zu einer international anerkannten Fachqualifikation. Stärker als bisher beruht das neue System - wie der Name bereits ausdrückt - auf der Erreichung festgesetzter Fach- und Sachkenntnisse und nicht nur auf der an der Lehrstelle verbrachten Zeit. Beim erfolgreichen Abschluß der ,Standards-Based"-Ausbildung wird ein nationaler Facharbeiterbrief ausgestellt, der in Irland wie auch in anderen EU- und Nicht-EU-Ländern anerkannt wird.
Seit September 1993 wird das neue System in bestimmten Berufen angewandt; in anderen wird es schrittweise eingeführt.
Die Entwicklung dieses Systems wird vom Nationalen Lehrausbildungsbeirat (National Apprenticeship Advisory Committee, NAAC) überwacht, der aus dem Verwaltungsrat der Arbeitsmarktbehörde FAS sowie Vertretern von Gewerkschaften, Arbeitgebern, der Erziehungsbehörden und der FAS besteht.
Die reguläre Ausbildungszeit für jedes Handwerk wird von den Bildungserfordernissen des jeweiligen Handwerks bestimmt und ist Thema einer Evaluierung, die 1994 abgeschlossen werden wird. Als Zwischenlösung wurde die normale Ausbildungszeit für eine im September 1993 begonnene Lehre auf vier Jahre festgesetzt. Die Lehre besteht aus sieben Phasen: vier Phasen schulischer Berufsausbildung, die mit drei Phasen beruflicher Ausbildung verknüpft sind. Die Höchstdauer der schulischen Berufsausbildung beträgt 40 Wochen.
Die Kosten der praktischen beruflichen Ausbildung, einschließlich Löhne und Ausbildungskosten, tragen im neuen System die Arbeitgeber. Die schulischen Ausbildungskosten werden aus einem branchenspezifischen Fonds bezahlt, in den Arbeitgeber einen Beitrag abführen. Die Ausbildungskosten werden durch den Staat finanziert.
Als Teil der Politik zur Förderung des Eintritts von Frauen in die Lehrausbildung hat FAS eine Reihe spezieller Maßnahmen getroffen: Eine Prämie von 2 400 £ pro Lehrling wird denjenigen Arbeitgebern angeboten, die weibliche Lehrlinge auf der Grundlage des neuen Ausbildungssystems in den derzeit ausgewiesenen Handwerksberufen anstellen. Das System stellt auch praktische und theoretische Schulungsangebote zur Verfügung, die die Frauen darauf vorbereiten, in einem traditionell männlichen besetzten Umfeld zu arbeiten. Zusätzlich geben die während der Lehrausbildung von FAS vorgesehenen Begleitmaßnahmen (monitoring) den Frauen Unterstützung, Förderung, Anleitung und Beistand.
Um an diesem Ausbildungssystem teilnehmen zu können, müssen Arbeitgeber nachweisen,
- daß sie Zugang zu den im Curriculum festgelegten Aufgabengebieten vermitteln sowie die entsprechende Ausrüstung und Spezialwerkzeuge zur Verfügung stellen können;
- daß sie einen qualifizierten und erfahrenen Handwerker/Facharbeiter zur Verfügung stellen können, der die Ausbildung und Arbeit des Lehrlings überwacht, sowie eine entsprechende Person, die von der FAS anerkannt ist und die die erforderliche Bewertung der Lehrlingskompetenz vornimmt.
Die Mindestanforderungen für zukünftige Lehrlinge sind:
- Er/sie darf nicht jünger als 16 Jahre sein und muß wenigstens einen Rang D (grade D) in fünf Fächern des ,Junior-Certificate"-Abschlusses erreicht haben (Pflichtschulabschluß) oder entsprechende Noten bei anderen anerkannten Abschlüssen.
Personen, die diese Anforderungen nicht erfüllen, können sich dennoch qualifizieren, wenn sie
- erfolgreich einen Vorausbildungskurs (pre-apprenticeship course) absolvieren, der von der FAS anerkannt ist, und erfolgreich ein Bewertungsgespräch abschließen;
- älter als 25 Jahre sind, mindestens drei Jahre Arbeitserfahrung in einem dem gewählten Ausbildungsberuf verwandten Berufsfeld haben und ein Bewertungsgespräch erfolgreich absolvieren.
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