Aufgrund der stetig steigenden Zahl der Arbeitslosen stand und steht die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im Vordergrund der meisten politischen Initiativen in Irland. Ende 1993 waren 297 000 Personen arbeitslos, was einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 16,8 % entspricht.
Das Sozialministerium, das die Lohnersatzleistungen verwaltet, hat sich in der Vergangenheit vor allem darauf beschränkt, daß die finanzielle Unterstützung, auf die die Arbeitslosen Anrecht haben, pünktlich und in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben geleistet wurde. Mit dem Anstieg der Arbeitslosenzahlen während der letzten zehn Jahre hat das Ministerium jedoch langsam ein aktiveres Interesse an seinen beschäftigungslosen Kunden entwickelt. Man entdeckte in dieser heterogenen Gruppe mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Erwartungen ein wertvolles Sammelbecken von Fähigkeiten und Erfahrungen. Ziel ist es nun, die Arbeitslosen zu ermutigen und sie bei ihren Bemühungen um einen Abgang aus der Arbeitslosigkeit und einen Übergang in die aktive Arbeitswelt zu unterstützen.
In den letzten zehn Jahren wurde daher eine Reihe von Programmen zur Eingliederung von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt entwickelt. Der Übergang in Erwerbsarbeit wird für viele in Zukunft aber - bedingt durch die hohe Zahl der Langzeitarbeitslosen - länger dauern. Das Ministerium berücksichtigt diese Entwicklung und hat zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten für Arbeitslose ins Leben gerufen, um deren Ausbildung zu erweitern und auf den letzten Stand zu bringen. Der Vorteil für Arbeitslose, die an diesen Maßnahmen teilnehmen, besteht darin, daß sie die Arbeitslosenunterstützung während ihrer Teilnahme weiterbeziehen. Zusätzlich zur Verbesserung ihrer Ausbildung ist eine schrittweise Wiederheranführung an die Arbeitsmoral für Langzeitarbeitslose sehr wichtig. Programme, wie z. B. gemeinnützige Arbeit (Voluntary Work Option) oder Teilzeitarbeit (Part-Time Job Incentive System), wurden dafür entwickelt.
Auch wurde erkannt, daß die Wechselwirkung zwischen Einkommensteuer- und Sozialhilfesystem Arbeitslose nicht immer zu einer Arbeitsaufnahme motivierte. So wurde behauptet, daß das irische Sozialhilfesystem mit seinen verschiedenen zusätzlichen oder besonderen Leistungen, wie Krankenversicherung, Wohngeld oder Bekleidungsbeihilfen, oft einen negativen Einfluß auf die Arbeitswilligkeit der Arbeitslosen ausübe. Um die Wirkung derartiger negativer Einflüsse zu neutralisieren oder zumindest zu mindern, wurde Ende 1993 ein neues Pilotprogramm unter der Bezeichnung ,Zurück zur Arbeit" (Back to Work Allowance) aufgelegt (vgl. iMi 46).
Das Programm will Arbeitslose durch Weitergewährung eines Teiles ihrer Arbeitslosenunterstützung (für bis zu zwei Jahre) zur Arbeitsaufnahme ermutigen. Außerdem erhalten sie während dieser Zeit weiterhin die Nebenleistungen, und die neue Leistung unterliegt weder Steuer- noch Sozialversicherungsabzügen. Dieses Programm hat mit über 4 500 neuen Arbeitsplätzen bereits einen erstaunlichen Erfolg verzeichnet. Während der ersten zwölf Monate entstanden 66 % der Arbeitsplätze in Projekten, die aus eigener Initiative geschaffen wurden. Arbeitslose haben sich in einem weiten und sehr unterschiedlichen Feld betätigt: Land-, Forst- und Gartenwirtschaft, Lebensmittelbranche, Transport, Computer, Kunst und Handwerk sowie Dienstleistungen. Es zeigte sich, daß es einen großen Reichtum an Ideen und Talenten bei den Arbeitslosen gibt und daß es nur einer finanziellen Motivierung bedurfte, damit sie ihre Ideen in eine lebensfähige Unternehmung einbringen konnten. Einer der größten Vorteile dieses Pilotprogramms besteht darin, daß es nicht gesetzlich reguliert ist und die Durchführung dadurch einen hohen Grad an Flexibilität genießt. Man untersucht derzeit die Möglichkeit der Einführung eines begleitenden Beratungsdienstes für neue und bestehende Unternehmungen sowie der Vergabe von Billigkrediten als Teil dieses Programms. Dieses Pilotprogramm wird bis Ende 1994 laufen, und eine genaue Untersuchung seiner Wirkung wird dann durchgeführt werden.
Das Programm ,Zurück zur Arbeit" konzentriert sich hauptsächlich darauf, den Arbeitslosen - und besonders den Langzeitarbeitslosen - einen Ansporn zur Rückkehr zur Arbeit zu bieten. Dies ist jedoch nur eine Seite der Medaille - wenn die Arbeitgeber keine Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, kann ein derartiges Programm seine volle Wirkung nicht entfalten. Arbeitgeber müssen daher auch motiviert werden, und das Programm kann, obwohl das Sozialsystem in diesem Bereich begrenzte Möglichkeiten hat, vor allem Arbeitgebern in kleinen und mittelständischen Unternehmen Anreize geben. Die hohen Lohnnebenkosten der Arbeitgeber wurden von Arbeitgeberverbänden oft als einer der Faktoren bezeichnet, die der Schaffung von Arbeitsplätzen entgegenstehen. Um dieser Barriere entgegenzuarbeiten, existiert seit 1992 ein Programm zur Befreiung von Sozialabgaben (PRSI) für Arbeitgeber, durch das fast 4 000 neue Stellen geschaffen wurden. Das Programm ermöglichte den Arbeitgebern, einen auf 5 Mio. irische Pfund geschätzten Betrag an Sozialabgaben einzusparen.
Schließlich müssen die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die das Sozialministerium sowohl für die Arbeitslosen als auch für die Arbeitgeber geschaffen hat, auf lokalem Niveau intensiviert werden. Um dies zu erreichen und eine gezieltere und bessere Bearbeitung der Arbeitslosenkartei (Live Register of Unemployed) zu ermöglichen, wurden in allen Hauptdienststellen des Ministeriums besondere Arbeitsvermittler ernannt. Ihre Hauptaufgabe ist die Unterstützung von Arbeitslosen bei der Arbeitsaufnahme. Sie können ihnen die Maßnahmen des Ministeriums anbieten oder sie auf Programme anderer Dienststellen aufmerksam machen. Eine weitere Aufgabe dieser Berater ist es, die Bediensteten des Ministeriums auf lokaler Ebene zu einer aktiveren Rolle gegenüber den Arbeitslosen zu motivieren.
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