Die Firmengründungsbeihilfe ist eines der arbeitsmarktpolitischen Programme zugunsten Arbeitsloser. Es soll diesen die Möglichkeit zur Gründung einer eigenen Firma verschaffen, indem es ihnen in der Anfangsphase eine Beihilfe zum Lebensunterhalt gewährt.
Firmengründungsbeihilfen (SEBs) wurden im Steuerjahr 1994/95 mehr als 20.000 Personen gewährt, wobei die Aufwendungen pro Person im Schnitt 10.300 SEK monatlich betrugen. Die Beihilfen werden meist für die Dauer von sechs Monaten bewilligt.
Eine Erhebung, die sich auf 1.896 Empfänger, deren Beihilfen im Oktober 1994 ausliefen, bezieht, begann rund ein Jahr nach dem Auslaufen der Beihilfen, im November 1995. Sie soll ein Bild der Teilnehmer sowie der jeweiligen Geschäftsvorhaben geben, die die Teilnehmer für die Beihilfe qualifizierten, und die Entwicklung dieser Aktivitäten von Anbeginn illustrieren. Auch das Management dieses Programms durch die Arbeitsverwaltung wurde evaluiert.
4.2.1.1. An wen gingen die Beihilfen?
Drei von vier Beihilfen gingen an Männer. Gewöhnlich ist der Empfänger zur Zeit der Firmmgründung 30 bis 39 Jahre alt. 14 % der Beihilfen gingen an Personen, die außerhalb Schwedens geboren wurden. Personen, die in Finnland oder im Iran geboren wurden, bildeten zusammen 30 % dieser Gruppe. Mehr als eine von fünf Personen hatte keine über die Schulpflicht hinausgehende Bildung erhalten; der gleiche Anteil besaß eine über die Sekundarstufe hinausgehende Schulbildung. Die Mehrheit von 57 % hatte die Oberschule besucht. Etwas weniger als drei Viertel waren der Meinung, daß ihre Bildung die Art des Geschäftsvorhabens beeinflußte.
Zwei von jeweils fünf Personen waren vor der Firmengründung mindestens ein Jahr lang bei der Arbeitsverwaltung gemeldet gewesen, und 67 % aller Empfänger waren vor der Gründung arbeitslos gewesen. Weitere 10 % bereiteten sich auf eine Firmengründung vor, indem sie die Gelegenheit ergriffen, die ihnen in dieser Hinsicht die sogenannte ,Arbeitsleben-Entwicklungsmaßnahme" (ALU) bot.
Die Mehrheit hatte Vorerfahrung in unternehmerischer Tätigkeit, fast zwei Drittel davon für die Dauer von mindestens zwei Jahren. Ein Drittel aller Empfänger hatte zuvor ein eigenes Geschäft betrieben.
4.2.1.2. Art des Geschäftsvorhabens
Drei Tätigkeitszweige umfassen fast die Hälfte der neuen Firmen: Baugewerbe, Einzelhandel und Beratungsdienste. Firmengründungen durch Frauen bieten jedoch ein weitgehend anderes Bild. Die drei häufigsten Branchen sind hier persönliche und soziale Dienstleistungen, Einzelhandel und Beratungsdienste, die zusammen 50 % ausmachen. In Schweden Geborene sind im Restaurant- und Hotelsektor sowie im Einzelhandel unterrepräsentiert.
Mehr als die Hälfte der Unternehmen wurde als nicht eingetragene Firmen und ein weiteres Drittel als Gesellschaften mit beschränkter Haftung begonnen. Zwei Drittel der Unternehmen wurden von Einzelpersonen gegründet, jedoch wurde mindestens die Hälfte der Unternehmen im Maschinenbau und der Restaurants bzw. Hotels von zwei oder mehr Personen ins Leben gerufen.
Nur 9 % der Unternehmen hatten von Anfang an abhängig Beschäftigte.
4.2.1.3. Schulung zur Firmengründung und unterstützende Beratung
Jeder vierte der befragten Empfänger gibt an, daß er an irgendeiner von der Arbeitsverwaltung organisierten Schulung zur Firmengründung teilgenommen hat. Die Teilnahmequote war höher unter denen, die ohne fremde Hilfe anfingen, und auch unter jenen, die vorher nicht selbständig tätig gewesen waren. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer sagte aus, daß die Schulung für sie von großem oder sehr großem Nutzen gewesen sei. Etwa die Hälfte der Schulungsprogramme dauerte länger als eine Woche.
Etwas weniger als die Hälfte der Empfänger standen vor der Gründung mit einem Unternehmensberater oder einem sonstigen Berater in Verbindung. Der häufigste Grund für Kontakte dieser Art bestand im Prüfen der Unternehmensabsicht bzw. im Erlangen einer Risikoabschätzung.
4.2.1.4. Die Situation ein Jahr nach dem Auslaufen der Beihilfe
Etwas weniger als drei Viertel der Personen, deren Beihilfen im Oktober 1994 ausliefen, betrieben das Geschäft noch ein Jahr danach. Von Frauen gegründete Firmen haben eine etwas niedrigere Überlebensrate als Gründungen von Männern; auch haben sich Firmen, die von außerhalb Europas geborenen Personen gegründet wurden, weniger gut entwickelt als die Gründungen von Europäern. Personen, die lange bei der Arbeitsverwaltung eingetragen waren, erging es weniger gut als solchen, die nur kurze Zeit registriert waren. Personen, die angaben, daß ihre Bildung für die Wahl der Branche bestimmend war, konnten größere Erfolge verzeichnen; ebenso jene mit Vorerfahrung in der betreffenden Branche.
Neugründungen im Maschinenbau, im Baugewerbe oder im Nachrichten- und Transportwesen haben eine hohe Überlebensrate: Mehr als 80 % von ihnen sind noch im Geschäft. Hingegen haben sich Neugründungen im Einzel- bzw. Großhandel oder im Restaurant- und Hotelsektor mit einer Überlebensrate von etwa zwei Drittel weniger gut entwickelt.
Im regionalen Vergleich hat Kristianstad mit 87 % die höchste Überlebensrate. Die Regionen Stockholm, Kalmar, Kopparberg, Gävleborg und Västerbotten weisen mit weniger als 65 % die niedrigsten Raten auf.
4.2.1.5. Die Situation der noch Aktiven
Die Mehrheit derjenigen, die noch aktiv sind, arbeitet mit voller Arbeitszeit in dem Geschäft. Teilzeitarbeit ist unter Frauen erheblich häufiger als unter Männern. Der Anteil der Teilzeitarbeitenden steigt mit dem Bildungsniveau. Die Mehrheit der Teilzeitarbeitenden widmet ihrem Geschäft höchstens die einer Halbtagsstelle entsprechende Arbeitszeit. In der Hälfte der Fälle wird die restliche Arbeitszeit im Dienste eines anderen Arbeitgebers verbracht.
Die Hälfte der Firmen hat einen jährlichen Umsatz von mindestens 700.000 SEK. Die Hälfte der Gaststätten, die von Einzelpersonen gegründet wurden und ganztägig geöffnet sind, hat Jahresumsätze von 300.000 bis 1.500.000 SEK.
Drei von vier Personen fühlen sich imstande, durch ihre Geschäftstätigkeit gegenwärtig ihren Lebensunterhalt zu bestreiten; bei Personen, die mit voller Arbeitszeit in dem Geschäft tätig sind, beläuft sich dieser Anteil auf 82 %.
Drei von vier der Befragten erwarten, daß sich ihre Unternehmung in drei bis fünf Jahren ausgeweitet haben wird, während nur 2 % davon ausgehen, daß ihr Geschäft dann nicht mehr existiert.
4.2.1.6. Die Situation der nicht mehr Aktiven
Nur in der Hälfte der Fälle, in denen das Geschäft eingestellt wurde, geschah dies infolge geringer Rentabilität. Als Grund wird von fast einem Fünftel der Befragten die Aufnahme einer anderen Arbeit angegeben. Nur 5 % der Firmen machten Bankrott.
Zur Zeit der Nachprüfung waren über 40 % beschäftigt. Von gleichem Umfang war der Anteil der Arbeitslosen, und 6 % studierten.
4.2.1.7. Beschäftigungswirkungen
Mehr als ein Viertel der Firmen beschäftigte ein Jahr nach der Gründung Arbeitnehmer, gegenüber 9 % zum Zeitpunkt der Gründung. 70 % der Firmen mit Arbeitnehmern hatten Vollzeit- und 50 % beschäftigten Teilzeitpersonal. Die meisten der Teilzeitkräfte waren Frauen.
Obwohl ein Viertel der Firmen ein Jahr nach dem Auslaufen der Beihilfe den Betrieb wieder eingestellt hatte, schuf jede gewährte Firmengründungsbeihilfe einen zusätzlichen Vollzeit-Arbeitsplatz, da viele der Firmen Arbeitnehmer beschäftigen.
4.2.1.8. Ansichten der Empfänger über die Firmengründungsbeihilfe und die Arbeitsverwaltung
Für 20 % der Empfänger war die Beihilfe entscheidend für den Schritt in die Selbständigkeit. Nur 40 % hätten auf jeden Fall ein Unternehmen begonnen.
Jeder Vierte gibt an, daß die Arbeitsverwaltung den Fortschritt der Unternehmung begleite. Entsprechende Nachfragen erfolgten in einem Drittel der Fälle telefonisch und zu 30 % durch persönliche Besuche.
In etwas mehr als der Hälfte aller Fälle erhält die Arbeitsverwaltung gute Noten für ihre Handhabung der Firmengründungsbeihilfe. Ausgesprochen negative Meinungen werden in nicht ganz 20 % aller Fälle geäußert.
4.2.1.9. Längerfristige Effekte
48 % der im vorigen Jahr Befragten, d. h. jener Personen, deren Beihilfen schon im Oktober 1993 ausliefen, haben sich wieder bei der Arbeitsverwaltung gemeldet. 85 % davon wurden jedoch wieder aus der Liste der Beschäftigungsuchenden gestrichen - meist deshalb, weil sie eine unbefristete Arbeit gefunden hatten.
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