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Die individuelle Verlaufsdatei der Arbeitsuchenden
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Die individuelle Verlaufsdatei der Arbeitsuchenden


3.1.1.1. Das Werkzeug AEDE

Die Verlaufsdatei (FH - fichier historique) ist Bestandteil des AEDE (Amélioration des Études des Demandeurs d'Emploi - Verbesserte Analyse der Arbeitsuchenden) genannten Statistikinstruments.

3.1.1.1.1. Definition

AEDE ist ein neues Instrument zur Erstellung und Verarbeitung von Statistiken, die sich auf bei der ANPE registrierte Arbeitsuchende beziehen. Während bisher lediglich das Stellengesuch statistisch ausgewertet wurde, bildet der Arbeitsuchende jetzt selbst die statistische Grundeinheit. Nun läßt sich der Beschäftigungsverlauf der Arbeitsuchenden verfolgen, da ihre Datensätze auch nach der Annullierung ihres Stellengesuchs noch 37 Monate lang gespeichert bleiben.

3.1.1.1.2. Einsatz

AEDE wird eingesetzt, um die für das Arbeitsministerium bestimmten Statistiken (STMT) zu erstellen, damit Daten für die der monatlichen Messung der Tätigkeit der ANPE dienenden Beratungs- und Leistungsdateien zugeliefert und die individuelle Verlaufsdatei gebildet werden können.

3.1.1.2. Durch die individuelle Verlaufsdatei erfaßter Zeitraum

Die Datei beginnt überall in Frankreich im Juli 1993.

Von diesem Datum an erfaßt sie die Abfolge sämtlicher den Arbeitsuchenden betreffenden Ereignisse ab dessen erstmaliger Registrierung bei der ANPE: die Merkmale des Arbeitsuchenden (Angaben zu Person, Familienstand, Berufsqualifikation), des Stellengesuchs (oder früherer Stellengesuche), Daten zum eventuellen Teilruhestand, zu den durch die ANPE erbrachten finanziellen und sonstigen Leistungen, zum Berufsbildungsplan und zu den entsprechenden Berufspraktika.

Es handelt sich somit um eine vollständige Datenbank, die sämtliche Angaben zur Tätigkeit der ANPE und zum Arbeitsmarkt enthält.

Die Datensätze bleiben mindestens drei Jahre lang gespeichert (wenn sich das Stellengesuch der betreffenden Person erledigt hat, wird ihr Datensatz 37 Monate lang aufbewahrt und dann annulliert bzw. archiviert). Sofern innerhalb dieser Dreijahresperiode mindestens ein Ereignis registriert wird, bleibt der Datensatz unbegrenzt lange gespeichert.

Die landesweite Verlaufsdatei ist im Aufbau und befindet sich noch im Versuchsstadium. Gegenwärtig deckt sie den Zeitraum von Juli 1993 bis Juli 1995 ab.

3.1.1.3. Abbildung 1

3.1.1.4. Ein bedeutendes Datenvolumen

Die zu Beginn der Versuchsphase eingeleiteten Untersuchungen prognostizierten einen großen Datenumfang. Tatsächlich wurde nach 23monatiger Aktualisierung der Verlaufsdatei mit 80 Millionen Datensätzen im Umfang von 7,4 Gigabyte ein Volumen gemessen, das diesen Prognosen ungefähr entsprach.

Die Prognosen für die 37monatige Führung belaufen sich auf etwa 120 Millionen Datensätze im Umfang von 11 Gigabyte.

3.1.1.5.1. Eine hierarchische Datenbank

Die Verlaufsdatei, deren geographische Grundeinheit der Arbeitsamtsbezirk ist, umfaßt 26 Regionen (wobei jedes Übersee-Département als eine Region gezählt wird).

Die Datei wird übrigens auf der Grundlage der Akten der Arbeitsuchenden erstellt.

3.1.1.5.2. Die verfügbaren Variablen und ihre Verarbeitung

Die Akte eines Arbeitsuchenden umfaßt gegenwärtig 129 Variablen, die sich auf sieben Abschnitte verteilen (bei 21 davon handelt es sich um statistische, bei 88 um operationale Variablen).

Bei der (mit Hilfe der Monatsbestandsdatei erfolgenden) monatlichen Aktualisierung werden die Variablen verarbeitet (im ,Normalmodus" sind es drei Schritte: Verlauf, Annullieren und Ersetzen; im ,Sondermodus" ein Schritt: Konsolidieren). Alle diese Veränderungen werden mit Hilfe einer dynamischen Tabelle verwaltet, da es ausnahmsweise vorkommen kann, daß sich der Verarbeitungsmodus einer Variablen von einem Monat zum nächsten ändert.

Eine ,historisierte" Verlaufsvariable ist eine Variable, deren aufeinanderfolgende Monatswerte gespeichert bleiben, so daß eventuelle Veränderungen ablesbar sind.

Für eine Variable vom Typ ,Annullieren und Ersetzen" wird nur der dem neuesten Monat M entsprechende Wert gespeichert. Der alte Wert wird überschrieben, so daß Veränderungen ohne Spur bleiben.

Eine Variable heißt ,konsolidiert", wenn sie auf ihrem früheren Wert verbleibt (Wert im Monat M-1) oder wenn es ausnahmsweise zu einer schweren Störung kommt. Damit soll dem massiven Auftreten fehlerhafter Werte und einer künstlichen Aufblähung des Datenvolumens vorgebeugt werden. Dieser Verarbeitungsmodus hat Ausnahmecharakter.

3.1.1.6. Bereitstellung der Verlaufsdatei: differenzierte Konfigurationen

Die Verlaufsdatei wird je nach Benutzer in verschiedener Form bereitgestellt, da sie eine globale Architektur mit drei Informationsebenen unterschiedlichen Inhalts aufweist. Zugänglich gemacht wird sie zwei großen Benutzerkategorien: zum einen den Fachleuten bei den Départementsdirektionen der ANPE, also Entwicklern bzw. Programmierern; zum anderen den Benutzern in den Regionen, denen eine einfache, interaktive Abfrage-Software mit zahlreichen Menüs an die Hand gegeben wird.

3.1.1.6.1. Architektur mit drei Ebenen

1. Auf der untersten Ebene befindet sich eine vollständige longitudinale Datenbank (BDLE - Banque de Données Longitudinales Exhaustives), die mit dem Monat Juni 1993 beginnt und alle detaillierten Dateien umfaßt, d. h. alle Datensätze der Arbeitsuchenden.

Dieser Datenbank ist gegebenenfalls eine repräsentative regionale Stichprobe angefügt, die monatlich aktualisiert wird. Repräsentationsmaßstab und -variablen müssen noch bestimmt werden. Die Untersuchung von Stichproben ist insofern von Vorteil, als bei der Beantwortung dringender Anfragen Zeit gespart wird; angesichts des großen Datenvolumens gilt dies zumindest auf nationaler Ebene.

Ferner gestattet diese Datenbank die Beantwortung spezifischer Fragen, auf die auf den anderen Ebenen keine Antwort erhältlich ist.

Auch wird den Benutzern eine nach und nach anzureichernde Datenbank mit besonderen Anfragen zur Verfügung stehen.

2. Die zweite Ebene ist eine Ergebnisbasis, die durch Auswertung der vollständigen Datenbank gewonnen wird. Sie umfaßt somit diverse Werte, die dank der Entwicklung geeigneter Programme systematische Produkte der Verlaufsuntersuchung darstellen. Diese fallen in Form von Sortierungen nach einem einzigen Merkmal und nach Sortierungen entsprechend mehrerer Merkmale an.

Diese Produkte, die sich noch in der Definitionsphase befinden, müssen den Bedürfnissen der verschiedenen regionalen Ebenen entsprechen (Bildung einer Arbeitsgruppe aus vier Pilotregionen). Sie haben einen allen Regionen gemeinsamen systematischen Charakter. Es sind dies die Basisprodukte, die für die Kenntnis der Arbeitsuchenden, für die Evaluierung der ergriffenen Maßnahmen und für die Steuerung der ANPE-Tätigkeit erforderlich sind.

3. Die dritte und letzte Ebene, die sich aus der zweiten Ebene ableitet, dient insbesondere als Hilfsmittel zur Steuerung. In Form einer Synthesetabelle bildet sie eine Reihe von Indikatoren ab, die Alarmfunktion haben und allen Regionen gemeinsam sind.

Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß die endgültigen Produkte je nach den Bedürfnissen der Anwender, der genaueren Kenntnis der Anwenderprofile, den Auswirkungen der geleisteten Auskunftsdienste, den Veränderungen des Arbeitsmarktes und der Beschäftigungspolitik noch andere Gestalt annehmen können.

3.1.1.7. Abbildung 2

3.1.1.8. Eine Verlaufsdatei mit vielfältigem Potential

Die Verlaufsdatei ist ein Instrument, das in vielfältiger Weise den Bedürfnissen der ANPE (etwa hinsichtlich ihres Netzes oder der Anforderungen des Fortschrittsvertrags) und ihrer Partner, insbesondere der staatlichen Behörden, entspricht. Sie kann somit als Hilfe bei der Konzeption und Durchführung von beschäftigungspolitischen Maßnahmen dienen. Sie ist ein Analyse-, Evaluierungs- und Simulationsinstrument, das den Ausbau der Partnerschaft fördert.

3.1.1.8.1. Ein Analyseinstrument

Die Verlaufsdatei verhilft durch longitudinale Analysen zu einer besseren Kenntnis der Klientel der ANPE, also der (gegenwärtigen oder früheren) Arbeitsuchenden, und des Arbeitsmarktes überhaupt. Eine verfeinerte und vertiefte Kenntnis der Arbeitsuchenden erlaubt es, die Effektivität des Netzes zu steigern, z. B. durch Qualitätsverbesserung der Dienstleistungen für Unternehmen - und somit für die Arbeitsuchenden - durch bessere Bewerberauswahl.

Diese Analysen lassen sich auf unterschiedlichen geographischen Ebenen für jeden Typ der bei der ANPE eingetragenen Arbeitsuchenden vornehmen, wodurch sich die Arbeit der ANPE auf ihren verschiedenen Gebietsebenen besser strukturieren läßt. Dieses Instrument kann somit zumindest teilweise gewisse periodische Erhebungen der ANPE (über den Verbleib von Arbeitsuchenden, die einer Vorladung nicht Folge geleistet haben oder deren Registrierung gestrichen wurde, von Teilnehmern an Beschäftigungshilfs- oder Berufsbildungsmaßnahmen usw.) ersetzen.

Beispiele für solche Fragen sind: Welche Typen Arbeitsuchender gibt es? Wie viele Arbeitsuchende entsprechen den im Laufe des Jahres registrierten Stellengesuchen? Wer sind die wiederholt registrierten Arbeitsuchenden? Welche eventuelle Wirkung haben Arbeitszeitverkürzungen auf die Wiederaufnahme von Beschäftigung und/oder den wiederholten Eintritt in Arbeitslosigkeit? Wer sind die Langzeitarbeitslosen, und wie groß könnte ihre Anzahl in Zukunft sein?

3.1.1.8.2. Ein Evaluierungsinstrument

Die Verlaufsdatei gestattet es, die Evaluierung der Auswirkungen von durch die ANPE verwalteten Beschäftigungsmaßnahmen und Leistungsprogrammen auf die Teilnehmer bzw. Leistungsempfänger zu verfeinern und damit die Inhalte der Leistungen (Gespräche, Praktika, Berufsbildungspläne) auf die Merkmale der Arbeitsuchenden abzustimmen und die Entwicklung der verschiedenen Leistungen der ANPE zu messen.

Beispiele: Welche Ergebnisse bringt eine Maßnahme hinsichtlich des Eingliederungsprozesses der Teilnehmer? Was wird aus den Langzeitarbeitslosen, denen Leistungen angeboten wurden, nach drei oder sechs Monaten? Sind bestimmte Leistungen im Hinblick auf die Wiederaufnahme von Arbeit wirksamer als andere? Welche Leistungen sollten ausgebaut werden und zugunsten welches Kliententyps? Welche Maßnahmen zur Vorladung von Arbeitsuchenden sollten bevorzugt werden (Häufigkeit, Benutzertyp, Leistungstyp usw.)? Wie viele Arbeitsuchende können an Maßnahmen wie dem ,Beschäftigungsinitiativvertrag" oder an irgendeiner anderen Maßnahme teilnehmen?

3.1.1.8.3. Ein Simulations- und Steuerungsinstrument

Die Verlaufsdatei bietet die Möglichkeit, durch Erstellen von Simulationsmodellen die Auswirkungen von Handlungsszenarien für die Berufsbildung oder Beschäftigung zu antizipieren. Man könnte damit die prioritäre Zielgruppe und/oder die prioritären Regionen effektiver ansprechen, also Maßnahmen günstiger definieren und verteilen. Die Definition operationaler Begriffe läßt sich mit der Verlaufsdatei verfeinern: Um wie viel würde z. B. die Anzahl der Langzeitarbeitslosen wachsen, wenn eine erweiterte Definition der Arbeitslosigkeit eingeführt würde? Welche Folgen hätte eine Änderung der Definitionsschwellen z. B. auf die Anzahl und das Profil derjenigen Personen, die eine Tätigkeit mit verkürzter Arbeitszeit unterhalb oder oberhalb der gegenwärtigen Schwelle von 78 Stunden angeben? Wie sind überhaupt die Schwellenwirkungen in Abhängigkeit von eventuellen Veränderungen der Vorschriften hinsichtlich der Aufnahme in Maßnahmen aller Art einzuschätzen (Alters-, Qualifikationskriterium usw.)?

3.1.1.8.4. Ein Partnerschaftsinstrument

Jenseits aller technischen Aspekte bildet die Verlaufsdatei ein wichtiges Instrument für den Erhalt und Ausbau von Partnerschaften der ANPE in einem Umfeld, in dem das Bedürfnis nach Partnerschaft sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene (z. B. bei der Evaluierung des Fünfjahresgesetzes) sehr stark ist.

3.1.1.9.1. Ziele der Erprobung

Diese Ziele sind von zweierlei Art: Das erste, rein technische Ziel betrifft auf der oberen Ebene die datentechnische Machbarkeit, die Zuverlässigkeit und die Qualität der Datei. Das zweite Ziel besteht auf der unteren Ebene darin, den Inhalt der für das ANPE-Netz erforderlichen statistischen Daten sowie die Form des Datenzugangs zu definieren. Es handelt sich darum, mit dem Netz und für das Netz die aus der Verlaufsdatei abgeleiteten Produkte, Begriffe, Indikatoren und synoptischen Tabellen zu konzipieren und gemeinsam zu produzieren.

Zur Erreichung dieser Ziele wurde bei der ANPE eine Gruppe regionaler Benutzer geschaffen, deren Aufgabe es ist, eine den Bedürfnissen des Netzes und seiner externen Partner genügende Nutzungsweise der Verlaufsdatei zu entwickeln. Sie soll nicht nur die statistischen Produkte definieren, sondern auch ihre Produktion auf dem beim Rechenzentrum des Nationalen Amtes für Statistik (Centre National Informatique de l'INSEE - CNIA) in Aix-en-Provence vorhandenen System sicherstellen und ihre Validität lokal testen.

Diese Gruppe ist also an allen Erprobungsoperationen beteiligt, wobei angestrebt wird, den Regionen am CNIA-Standort möglichst schnell zur Selbständigkeit zu verhelfen, da das vom Arbeitsministerium geleitete Projekt NOSTRA (Nouvelle Organisation de la Statistique Marché de Travail - Neuorganisation der Arbeitsmarktstatistik) auf längere Frist den Anschluß der ANPE-Regionaldirektionen an dieses Rechenzentrum vorsieht.

3.1.1.9.2. Organisationsstruktur

Zu diesem Zweck wurde eine Organisation mit drei Ebenen realisiert (siehe Abbildung 3). Das Verlaufsdatei-Team der Forschungs- und Statistikabteilung (Département des Etudes et Statistiques - DES) leitet den Versuchsbetrieb. Es hat vier Regionen, die sich zur Teilnahme bereit erklärt haben, in einer interregionalen Erprobungsgruppe mit dem Namen ANIM (für Aquitaine, Nord/Pas-de-Calais, Ile-de-France und Midi-Pyrénées) zusammengefaßt. Zu dieser Gruppe gehören zwei oder drei Vertreter (Informatiker und Forscher) jeder Pilot-Regionaldirektion (DRA). Andere Forscher werden von Fall zu Fall wegen ihrer besonderen Kompetenz (vertiefte Kenntnis des Arbeitsmarkts oder der Verfahren zur Kontrolle der ANPE-Tätigkeit, der betrieblichen Praxis usw.) herangezogen.

Die regionalen Korrespondenten bilden ihrerseits eine intraregionale Gruppe potentieller Benutzer, die den lokalen Arbeitsämtern (ALE - Agences Locales pour l'Emploi) oder den Département-Delegationen (DDA) der ANPE angehören. Aufgabe der intraregionalen Arbeitsgruppen ist es, die Produkte zu definieren, ihre Eignung zu testen und die statistischen Ergebnisse qualitativ zu erhellen.

3.1.1.10. Abbildung 3


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