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Jahresbericht 1997 zum finnischen Mehrjahres-Beschäftigungsprogramm
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Jahresbericht 1997 zum finnischen Mehrjahres-Beschäftigungsprogramm


Entsprechend dem im Juli 1997 veröffentlichten Jahresbericht 1997 zum finnischen Mehrjahres-Beschäftigungsprogramm (1996-1999) tragen die von der finnischen Regierung in den letzten zwei Jahren praktizierte entschlossene Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik sowie die gute Kooperation mit den Arbeitsmarktorganisationen inzwischen Früchte. Das Wirtschaftswachstum ist kräftig, die Anzahl neuer Arbeitsplätze steigt deutlich, die Arbeitslosigkeit geht zurück.

Viele der im Beschäftigungsprogramm enthaltenen neuen Maßnahmen werden erst in diesem oder im nächsten Jahr ihre volle Beschäftigungswirkung entfalten. Die Regierung überwacht die Durchführung mit Hilfe eines besonderen Monitoring-Systems. Im Januar 1997 beschloß die Regierung neue Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Beschäftigungssituation, die auch das Wachstum fördern und den sozialen Ausschluß abbauen sollen. Um das Funktionieren des Arbeitsmarktes zu verbessern und den Ausschluß vom Arbeitsmarkt zu verhindern, soll Anfang 1998 eine umfassende Reform der Arbeitsmarktpolitik durchgeführt werden (siehe iMi 59, S. 10).

Finnlands mehrjähriges Beschäftigungsprogramm basiert auf einem Regierungsbeschluß, der die Durchführung von 52 substantiellen Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung vorsieht. Sie sind in sechs Kategorien unterteilt:

1. Senkung der Steuern auf Nutzung von Arbeitskraft;

2. Reformierung des Arbeitslebens;

3. Ausweitung und praxisnahe Gestaltung der Berufsbildung;

4. Förderung des Unternehmertums;

5. Ausweitung der Tätigkeit im Bausektor;

6. Verlagerung der Ausrichtung der Arbeitsmarktpolitik von passiver Arbeitslosenversicherung auf aktive Maßnahmen.

Laut jüngstem Bericht der hochrangig besetzten Arbeitsgruppe, die zur Überwachung der Durchführung dieser Maßnahmen installiert wurde, waren bis Ende Mai 1997 von den 52 Maßnahmen des Beschäftigungsprogramms 50 entweder völlig oder in beträchtlichem Umfang implementiert. Die Wirkung der Maßnahmen auf den Abbau der Arbeitslosigkeit betrug in 1996 etwa 35.000 bis 40.000 Personen-Arbeitsjahre. In 1997 wird sich die Wirkung auf etwa 60.000 bis 70.000 Personen-Arbeitsjahre belaufen.

2.4.1.1.1. Berufsbildung und lebenslanges Lernen
  • - Das Prinzip des lebenslangen Lernens wurde in den letzten Jahren in die Praxis umgesetzt, indem den lokalen Arbeitsämtern eine herausragende Rolle als Experten für Berufsbildung und die Humankapitalentwicklung auf Grundlage der Erfordernisse des Arbeitsmarktes, der Unternehmen und der Arbeitnehmer übertragen wurde.
  • - Die Anzahl der in Lehrverhältnissen stehenden Personen hat sich innerhalb weniger Jahre drastisch erhöht.
    2.4.1.1.2. Arbeitsorganisation und Arbeitszeiten
  • - Das Anfang 1996 begonnene nationale Arbeitsplatz-Entwicklungsprogramm strebt nach einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und der Qualität des Arbeitslebens durch Hebung der Fähigkeiten und des Innovationspotentials der Belegschaften.
  • - Die Arbeitszeiten werden flexibler; neue Modelle werden erprobt. Die Arbeitsmarktorganisationen werden sich bei den im Herbst 1997 stattfindenden lohnpolitischen Verhandlungen mit Fragen der Arbeitszeit befassen. Die Regierung beteiligte sich an der Entwicklung der Arbeitszeitpolitik mit Gesetzgebungsmaßnahmen sowie mit Forschungs- und Versuchsprojekten (z.~B. zur Arbeitsplatzrotation und Teilzeitzulage).
  • - Die Regierung arbeitete in enger Kooperation mit den Arbeitsmarktorganisationen an der Implementierung einer Anzahl weiterer Veränderungen der Arbeitsgesetzgebung, die die Flexibilität des Arbeitsmarktes vergrößerten und die Arbeitnehmerrechte - angesichts der zunehmenden Verbreitung atypischer Beschäftigungsverhältnisse - in ausgewogener Weise verbesserten.
    2.4.1.1.3. Lohnpolitik
  • - Die Lohnerhöhungen sind bisher moderat gewesen; in diesem Herbst steht eine neue Verhandlungsrunde zur Lohnpolitik an. Gemäß einem gemeinsamen Sachverständigenbericht der Regierung und der Arbeitsmarktorganisationen hatte die im September 1995 zustande gekommene Einigung über die Lohnpolitik eine sehr günstige Wirkung auf die finnische Wirtschaft.
    2.4.1.1.4. Schaffung von Arbeitsplätzen
  • - Es wurden beträchtliche Investitionen vorgenommen, um den Betrieb von KMU zu stärken.
  • - 1996 räumte die Regierung in ihren industriepolitischen Richtlinien der Förderung des Dienstleistungssektors denselben Stellenwert ein wie der Industrieförderung.
  • - Die Regierung unterstützt die Beschäftigung bei privaten Haushalten durch ein am 1. Oktober 1997 begonnenes, auf zwei Jahre befristetes regionales Experiment, in dessen Rahmen private Haushalte über spezielle Firmen Haushaltshilfen einstellen können (siehe iMi 59, S. 24). In anderen Regionen wird ein auf Steuerabzügen für Privathaushalte beruhendes Beschäftigungsexperiment durchgeführt.
  • - Berufsbildungsprogramme gemäß Ziel 4 des Europäischen Sozialfonds (ESF) haben bei der Stärkung des Unternehmertums eine wichtige Rolle gespielt. Arbeitsmarkttraining kann auch in Einstellungssituationen, in speziell auf die Bedürfnisse von Unternehmen zugeschnittenen Programmen und in der Personalschulung wirksam eingesetzt werden.
    2.4.1.1.5. Beschäftigungsfreundliche Besteuerung
  • - 1996 wurden die Sozialversicherungsbeiträge sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer herabgesetzt. Soweit es die finnische Volkswirtschaft zuläßt, wird in den kommenden Jahren eine weitere Reduzierung der Abgabenlast der Arbeitskraft angestrebt. Ausschlaggebend hierfür sind die im Herbst 1997 stattfindenden Tarifverhandlungen.
  • - Die Struktur der Besteuerung, Einkommentransfers und Dienstleistungsgebühren werden auf eine Weise koordiniert, die sicherstellt, daß das Besteuerungs- und das Sozialversicherungssystem Arbeit und Studium begünstigen und die Bildung von Anreizschwellen verhindern.
  • - Zur Förderung der Beschäftigung wurden Studien zu den Möglichkeiten einer Senkung der Arbeitgeberbeiträge bzw. einer Einführung gestaffelter Beiträge durchgeführt. Besondere Beachtung wurde der Verbesserung der relativen Stellung älterer Arbeitnehmer und der Inhaber von Kleinunternehmen gewidmet.
    2.4.1.1.6. Aktivierung der Arbeitsmarktpolitik
  • - Die umfassende Reform des Arbeitslosenversicherungssystems, die Anfang 1997 in Kraft trat (siehe iMi 57, S. 22), erhöhte für Arbeitslose im Vergleich zu früher sogar die Anreize, nach Arbeit zu suchen und selbst kurzbefristete Beschäftigungverhältnisse zu akzeptieren. Auch machte sie es einträglicher, legal zu arbeiten, statt die Vorschriften zu umgehen, und verbesserte die Möglichkeit älterer Erwerbspersonen, weiter auf dem Arbeitsmarkt zu verbleiben.

    Zugleich wurde das Volumen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen auf hohem Stand gehalten (bei einer Teilnehmerzahl von durchschnittlich 122.500, was etwas über 5~% der Erwerbsbevölkerung entspricht). Die Maßnahmen wurden auf Schwervermittelbare konzentriert, wodurch der Ausschluß aus dem Arbeitsmarkt beträchtlich vermindert und die Langzeitarbeitslosigkeit verringert werden konnten. In den Maßnahmen wurde die Bedeutung der Berufsbildung und der Praktika besonders hervorgehoben.

  • - Die Bedeutung der staatlichen Arbeitsämter für die Koordinierung von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage hat zugenommen. So wurden den Arbeitgeberbedürfnissen entsprechende Dienstleistungen entwickelt, die Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmern vertieft und die Dienstleistungsqualität systematisch verbessert.
  • - Den Ergebnissen von Begleituntersuchungen zufolge hat das Arbeitsmarkttraining die Arbeitslosenquote gesenkt, die Dauer der Arbeitslosigkeit verkürzt, die Aussichten auf einen neuen Arbeitsplatz verbessert und die Gefahr der Arbeitslosigkeit reduziert. Das Arbeitsmarkttraining wurde sowohl 1996 als auch 1997 ausgeweitet.
  • - In den letzten Jahren ist die Arbeitsverwaltung zu einem wichtigen Akteur bei der Initiierung und Finanzierung der regionalen und lokalen Zusammenarbeit im Interesse der Wirtschaftsentwicklung geworden. Die Förderung des Unternehmertums und die Schaffung neuer Arbeitsplätze gehören zu den Hauptzielen dieser Kooperation.
  • - Die Regionalverwaltungen der Ministerien für Arbeit, für Handel und Industrie und für Land- und Forstwirtschaft wurden zum 1. September 1997 zusammengelegt (siehe hierzu den Beitrag auf S. 33). Damit wurden starke regionale Organisationen geschaffen.
    2.4.1.1.7. Maßnahmen zugunsten Jugendlicher
  • - Auf Jugendliche zielende Maßnahmen nehmen im Beschäftigungsprogramm eine Schlüsselstellung ein. Die Berufsausbildung wurde erheblich ausgeweitet, und ihre Inhalte wurden noch stärker auf das Arbeitsleben ausgerichtet. Die für Jugendliche geltenden Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug von Lohnersatzleistungen wurden verschärft, um die Bereitschaft zur Aufnahme einer Berufsausbildung zu fördern. Die Maßnahmen zeigen jetzt deutliche Ergebnisse: Die Steigerung der Anzahl der Ausbildungsplätze konnte in den schlimmsten Jahren der Rezession den Zustrom junger Arbeitnehmer auf den Arbeitsmarkt verringern.
  • - Der Übergang von der Ausbildung ins Arbeitsleben wurde durch die wirksame Entwicklung von Beratungs- und Vermittlungsdiensten in Bildungseinrichtungen und Arbeitsämtern erleichtert. Das neue Dienstleistungssystem wird in allen Universitäten und Hochschulorten bereits voll genutzt; in 40 Berufsbildungseinrichtungen befindet es sich in der Erprobung.
  • - Workshop-Aktivitäten wurden ebenfalls erheblich ausgeweitet. Anfang 1994 gab es in Finnland insgesamt 172 Workshops; bis Ende 1997 dürfte ihre Zahl auf 350 und die der dort arbeitenden Personen auf 7.000 steigen.
    2.4.1.1.8. Maßnahmen für Langzeitarbeitslose
  • - Die durch das Arbeitsamt veranlaßte subventionierte Beschäftigung war bisher einer der Hauptwege zur Unterbrechung von Langzeitarbeitslosigkeit; dagegen verlagert sich der Schwerpunkt jetzt auf individuelle Maßnahmen. So hat die Arbeitsverwaltung Arbeitsverfahren und Dienstleistungstypen entwickelt, die speziell auf die Bedürfnisse von Langzeitarbeitslosen zugeschnitten sind. Auf lokaler Ebene wurden diverse Kooperations- und Betriebsmodelle entwickelt, insbesondere in Zusammenarbeit von Sozial- und Gesundheitsämtern sowie der Arbeitsverwaltung. Mit Hilfe des Partnerschaftexperiments wurden neue Methoden zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit durch Kooperation von Privatwirtschaft, öffentlichen und privaten Dienstleistern entwickelt. Die Langzeitarbeitslosigkeit konnte merklich abgebaut werden.
  • - Langzeitarbeitslosen stehen jetzt geeignete Möglichkeiten zum Erwerb von Berufsbildung offen. Ein neues Mittel zur Förderung lebenslangen Lernens und zur Aktivierung des passiven Arbeitslosenversicherungssystems ist die Entwicklung des sogenannten Berufsbildungsgarantiesystems (siehe iMi 59, S. 16). Im Rahmen der schrittweisen Durchführung der Reform erhalten Langzeitarbeitslose ab 1997 das Recht auf Lernen. 1998 soll das System andere Kategorien Arbeitsloser einbeziehen. Gegenwärtig wird die Möglichkeit untersucht, das System auch auf Beschäftigte auszuweiten.
    2.4.1.1.9. Frauenarbeitslosigkeit und Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit

    Im Februar 1997 beschloß die Regierung ein Programm, in dem die Stellung der Frau auf dem Arbeitsmarkt eines der Hauptziele bildet. Die Regierung hat die folgenden praktischen Maßnahmen ergriffen:

  • - Seit 1997 werden Unternehmerinnen durch einen speziellen Unternehmerinnenkredit gefördert, was zur Schaffung von mehreren hundert neuen Arbeitsplätzen geführt hat.
  • - Der Frauenanteil in Programmen zur Beschäftigungsförderung ist gestiegen und entspricht jetzt zumindest dem Anteil, den Frauen an der Arbeitslosenzahl haben; die Anzahl der in subventionierten Arbeitsverhältnissen stehenden Frauen liegt etwas höher als die entsprechende Zahl der Männer.
  • - Besondere Aufmerksamkeit ist der Vereinbarung von Berufs- und Familienleben gewidmet worden; Forschungen zu diesem Themenkomplex sowie entsprechende Verhandlungen mit den Arbeitsmarktorganisationen sind im Gange.
  • - Die Arbeitsgesetzgebung wurde verbessert, so daß die Beschäftigungsbedingungen und die soziale Sicherheit für atypische, von Frauen dominierte Arbeitsfelder jetzt ebenso gut sind wie die für unbefristete Vollzeitbeschäftigung. Andererseits wurde die Arbeitslosenversicherung in einer Weise reformiert, daß für die Annahme selbst kurzbefristeter Beschäftigung nun noch größere Anreize bestehen.
  • - Die Schulungsprogramme für Informationstechnologie und ihre Inhalte werden gegenwärtig geändert, so daß sie künftig auch für junge Frauen interessant werden.
    2.4.1.1.10. Maßnahmen für ältere und behinderte Arbeitnehmer
  • - Als Teil des Beschäftigungsprogramms wird gegenwärtig eine Studie über die Betreuungserfordernisse älterer Langzeitarbeitsloser durchgeführt, in die mehr als 15.000 Klienten von Arbeitsämtern einbezogen sind.
  • - Im Februar 1997 faßte die Regierung einen Grundsatzbeschluß zur Verbesserung der Arbeitsmarktposition älterer Arbeitnehmer. Der Beschluß umfaßt 40 konkrete Entwicklungsprojekte. In Übereinstimmung mit ihnen wurden Programme wie das nationale Programm zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit und der Arbeitsbedingungen älterer Arbeitnehmer initiiert (siehe iMi 58, S. 29). Auch wird erwogen, für ältere Arbeitnehmer die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung zu senken.
  • - Behinderte bilden einen Schwerpunkt der Arbeitsmarktpolitik. 1996 begannen mehr als 7.200 Behinderte ein Arbeitsmarkttraining, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 2.200 bedeutet. Auch wurden Fördermittel eingesetzt, um insgesamt 16.300 Behinderte zu beschäftigen, d.~h. ebenso viele wie 1995.
    2.4.1.1.11. Die Rolle des Europäischen Sozialfonds bei der Durchführung des Beschäftigungsprogramms
  • - Die Programme gemäß den Zielen 3 und 4 des ESF tragen zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei und fördern die Arbeitsaufnahme. Nach Evaluationsstudien fand jeder zweite Teilnehmer eines Programmprojektes entsprechend ESF-Ziel 3 innerhalb von sechs Monaten nach Projektende einen Arbeitsplatz. Den Ergebnissen eines vorläufigen Monitoring zufolge haben die Berufsbildungsprojekte im Rahmen des Programms zur Verwirklichung des ESF-Ziels 4 die Fähigkeit von Kleinunternehmen zur Fortsetzung und Ausweitung der Produktion verbessert und auf diese Weise zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen.
  • - Regionale Programme trugen bis Ende 1996 zur Schaffung von mehr als 11.600 Arbeitsplätzen und zum Erhalt von etwa 23.000 Arbeitsplätzen bei (Programme gemäß den ESF-Zielen 6, 2 und 5b).

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