Berufsberatung: Erste Ergebnisse zum Berichtsjahr 1996/97
Berufsberatung: Erste Ergebnisse zum Berichtsjahr 1996/97
Im Berufsberatungsjahr 1996/97 hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Vergleich zum Vorjahr tendenziell weiter verschlechtert. Trotz intensiver Einflußnahme der Politik, verstärkter Anstrengungen der Wirtschaft und vielfältiger Aktivitäten der Berufsberatung ist es nicht gelungen, einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage zu erreichen.
Bei den Arbeitsämtern ist die Bewerbernachfrage erneut deutlich gestiegen, während das gemeldete Ausbildungsangebot insbesondere in den alten Bundesländern weiter zurückging. Dennoch hat die Zahl der nicht vermittelten Bewerber weit geringer zugenommen, als die der Bewerber angestiegen ist.
In den alten Bundesländern gab es erstmals seit zehn Jahren mehr nicht vermittelte Bewerber als unbesetzte Ausbildungsstellen.
In den neuen Bundesländern ist das Ungleichgewicht auf dem Ausbildungsmarkt noch größer als vor einem Jahr, obwohl die "Lehrstelleninitiative 1997" nahezu ausgeschöpft wurde.
Angesichts steigender Schulabgängerzahlen und einer zunehmenden Zahl von Bewerbern, die die allgemeinbildende Schule in früheren Jahren verlassen haben, ist auch für die nächste Zeit davon auszugehen, daß die Nachfrage nach betrieblicher Ausbildung weiter zunimmt und eine deutliche Steigerung des Ausbildungsangebotes erforderlich bleibt.
3.1.1.1. Daten zur Situation
Seit Oktober 1996 wandten sich bundesweit 772.400 Bewerber um betriebliche Ausbildungsstellen an die Berufsberatung; dies entspricht einem Anstieg von 7,8~%. Gleichzeitig wurden den Arbeitsämtern 607.200 Ausbildungsstellen gemeldet, geringfügig weniger als im Vorjahreszeitraum (-0,3~%). Dabei ist zu berücksichtigen, daß im September wesentlich mehr Ausbildungsplätze aus dem Bund-Länder-Programm "Lehrstelleninitiative 1997" zur Verfügung standen, als dies im Vorjahr der Fall gewesen war. Stellt man in den neuen Bundesländern ausschließlich auf die betrieblichen Ausbildungsstellen ab, ergibt sich ein bundesweiter Rückgang des Ausbildungsangebotes bei den Arbeitsämtern von 14.128 oder 2,5~%.
In den Monaten Februar bis Juli 1997 wurden den Arbeitsämtern bundesweit insgesamt mehr Ausbildungsstellen als in den Vergleichsmonaten des Vorjahres gemeldet. Dies ist nicht zuletzt das Ergebnis intensiver Bemühungen der Berufsberatung und hat dazu beigetragen, die Ausbildungslücke weiter zu verringern, wenn auch der Rückgang an Ausbildungsstellen in den ersten Monaten des Berufsberatungsjahres nicht ausgeglichen werden konnte.
Die Zahl der Ende September 1997 noch nicht vermittelten Bewerber belief sich auf 47.500; damit befanden sich im Vergleich zum Vorjahr 24~% mehr Jugendliche auch nach Beginn des Ausbildungsjahres noch auf der Suche nach einer Lehrstelle. Ihnen standen 25.800 noch offene Ausbildungsstellen gegenüber (-26~%). Landesweit ausgeglichen ist das Verhältnis zwischen unbesetzten Ausbildungsstellen und nicht vermittelten Bewerbern lediglich in Bayern, Baden-Württemberg und im Saarland sowie annähernd in Schleswig-Holstein.
In den alten Bundesländern waren Ende September noch 25.200 freie Ausbildungsstellen registriert, 26~% weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der bisher nicht vermittelten Bewerber erhöhte sich auf 32.300, womit 31~% mehr Jugendliche weiterhin unversorgt sind. Von Oktober 1996 bis September 1997 wurden den Arbeitsämtern 476.100 Ausbildungsstellen gemeldet; dies sind 3~% weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Bewerber, die die Berufsberatung einschalteten, stieg hingegen gleichzeitig um 8~% auf 546.300.
Die Ausschöpfung des gemeldeten Stellenangebotes ist auch in diesem Jahr sehr hoch (ca. 95~%). Dennoch gibt es nach wie vor offene Ausbildungsstellen, für die es schwierig ist, geeignete Bewerber zu finden. Die Ursachen hierfür sind vielschichtig und resultieren vor allem aus einem veränderten Berufswahlverhalten der Jugendlichen. Neben dem Trend zu höheren Bildungsabschlüssen tendieren die Schulabgänger bei ihrer Berufswahl zunehmend zu kaufmännischen und Dienstleistungsberufen, während die gewerblich-technischen Berufe weniger gefragt sind. Vor allem Berufe in den Bereichen Ernährung, Chemie, Keramik, Holz und Papier sind weniger begehrt, so daß diese Ausbildungsstellen häufiger unbesetzt bleiben.
In den neuen Bundesländern hat die Zahl der nicht vermittelten Bewerber gegenüber dem Vorjahr leicht zugenommen. In allen Arbeitsamtsbezirken war das gemeldete betriebliche Stellenangebot weitaus kleiner als die Nachfrage.
Während sich die Zahl der noch nicht besetzten Ausbildungsstellen im Vergleich zum September 1996 um 40~% auf 600 verringerte, stieg die der noch nicht vermittelten Bewerber um 10~% auf 15.200. Damit hat sich die Lücke, die sich in den letzten Monaten abzeichnete, deutlicher verkleinert als in den Jahren zuvor. Dies ist darauf zurückzuführen, daß das Sonderprogramm "Lehrstelleninitiative 1997", mit dem 15.000 Ausbildungsplätze in den neuen Bundesländern finanziert werden, früher umgesetzt werden konnte. Nach den Daten der Berufsberatung ist dieses Programm weitgehend ausgeschöpft; es stehen noch ca. 2.000 bis 2.500 Plätze zur Verfügung
3.1.1.2. Aktivitäten der Berufsberatung
Wie schon in den Vorjahren setzte die Berufsberatung mit ihren bewährten Maßnahmen und Aktionen die intensiven Bemühungen zur Gewinnung von Ausbildungsstellen fort. Insbesondere wurde telefonisch und persönlich zu solchen Betrieben und Verwaltungen Kontakt aufgenommen und gepflegt, bei denen wegen unterdurchschnittlicher Ausbildungsquoten am ehesten eine Steigerung des Ausbildungsangebotes möglich schien.
Von Oktober 1996 bis September 1997 erfolgten:
- 298.000 Außendienstkontakte (Vorjahr: 280.500);
- 386.000 Telefonkontakte (Vorjahr: 349.000);
- 68.000 Betriebsbesuche (Vorjahr: 54.800) in bisher nicht ausbildenden Betrieben; dabei wurden 12.100 Ausbildungsstellen (Vorjahr: 13.700) gewonnen.
Vom 14. April bis 9. Mai 1997 wurden im Rahmen einer konzentrierten Betriebsbesuchsaktion in den neuen Bundesländern 65.900 Betriebsbesuche (Vorjahr: 44.300) gemacht; dabei wurden 10.900 Ausbildungsstellen (Vorjahr: 8.700) gewonnen.
In den alten Bundesländern haben sich in diesem Jahr je nach regionaler Situation Arbeitsämter dieser Aktion angeschlossen und bei 17.500 Betriebsbesuchen 7.600 Ausbildungsstellen akquiriert.
3.1.1.3. "Tag des Ausbildungsplatzes" am 18. Juni 1997
Am "Tag des Ausbildungsplatzes" haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilungen Berufsberatung, Arbeitsvermittlung und Arbeitsberatung sowie teilweise auch der Leistungsabteilung rund 46.200 Betriebe persönlich aufgesucht und dabei 13.400 Ausbildungsstellen gewonnen, etwa die Hälfte davon für das Jahr 1998.
3.1.1.4. Kampagne "Ausbilden - wir machen mit"
Im Rahmen dieser gemeinsamen Kampagne von Bundesregierung, Wirtschaft und Bundesanstalt für Arbeit (BA) wurden öffentlichkeitswirksam zahlreiche Anzeigen geschaltet sowie bundesweite und regionale Telefon-Foren durchgeführt.
3.1.1.5. Folgerungen
Vor dem Hintergrund der zu erwartenden weiteren Zunahme der Ausbildungsnachfrage und unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen für die Berufsausbildung bleibt auch künftig ein intensives Werben um betriebliche Ausbildungsstellen erforderlich.
Hierbei wird die Bundesanstalt weiterhin einen großen Beitrag leisten. Bei der Vorgehensweise hat sich die Einheit von konkreter persönlicher Ansprache der Betriebe, Verwaltungen, Praxen und von Appellen bewährt und wird fortgesetzt.
Schwerpunktsetzungen sollten ähnlich wie im Vorjahr erfolgen hinsichtlich:
- nicht ausbildender Betriebe,
- neugegründeter Betriebe und
- Betrieben, bei denen mit einer Steigerung des Ausbildungsangebotes gerechnet werden kann.
Insgesamt soll darauf hingewirkt werden, über den Bedarf hinaus auszubilden.
Betriebe mit ausländischen Betriebsinhabern sollten verstärkt in die Aktionen zur Information, Beratung und praktischen Unterstützung einbezogen werden.
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