Finnlands neue Beschäftigungspolitik investiert verstärkt in Maßnahmen zum Erhalt von Arbeitskapazitäten. Die dabei unternommenen Anstrengungen zielen auf eine Förderung der Initiative Arbeitsloser, durch z. B. die Erfassung ihrer beruflichen Erfahrungen und Fachkenntnisse und durch ein intensiveres Arbeitsuchetraining. Hierdurch sollen Arbeitslose ihre Stärken erkennen, sich erforderliche neue Fertigkeiten aneignen und lernen, ihr Wissen gegenüber potentiellen Arbeitgebern zu verkaufen. Die Ermutigung älterer Personen, im Arbeitsleben zu verbleiben, stellt dabei eine besonders wichtige Herausforderung dar. Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Ermutigung von Arbeitgebern, die durch Alter und Erfahrung bestehenden Vorteile sinnvoll zu nutzen.
Hintergrund und Ziele des Nationalen Programmes für ältere Arbeitnehmer
Hauptmotivation für die Ausarbeitung des neuen Nationalen Programmes für ältere Arbeitnehmer (1998-2002; siehe iMi 58, S. 29) sind die schwerwiegenden Veränderungen, die in den nächsten Jahren in der Altersstruktur der finnischen Erwerbsbevölkerung stattfinden werden. Rund 170.000 Personen werden in die Altersgruppe der 50- bis 64jährigen eintreten, während gleichzeitig die Zahl der am stärksten nachgefragten Arbeitskräfte (die Altersgruppe der 25- bis 49jährigen) um 150.000 abnehmen wird. Unter den älteren Arbeitnehmern ist die Beschäftigungsquote besonders niedrig, und sie sind starkem Druck ausgesetzt, in den Vorruhestand zu treten. Wenn es nicht gelingt, das Altern der Erwerbsbevölkerung in einen Vorteil umzuwandeln, könnten Gesamtwirtschaft und einzelne Unternehmen große Verluste erleiden.
Das Nationale Programm für ältere Arbeitnehmer ist von einer am 6. Februar 1997 erfolgten Regierungsresolution abgeleitet, die wiederum auf den Vorschlägen einer speziellen Kommission (IKOMI) beruht, die gebildet wurde, um Wege zur Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Personen zu finden. Daneben zielt das Programm auch auf die Vermeidung von Arbeitsunfähigkeit und Vorruhestand. Die Durchführung des Programmes wird einige Veränderungen in der Gesetzgebung sowie zahlreiche Analyse-, Trainings- und Pilotprojekte zur Folge haben.
In diesem Jahr konzentriert sich das Nationale Programm für ältere Arbeitnehmer hauptsächlich auf die Medien. So ist derzeit eine PR-Kampagne in Vorbereitung, während Maßnahmen zur Information bereits durchgeführt werden. Im Mai findet eine spezielle, auf Arbeitgeber ausgerichtete Kampagne statt. Eines der Ziele dieser Informationskampagne ist die Vermittlung neuester Forschungsergebnisse zu den beruflichen Stärken älterer Personen sowie zu Faktoren, die die Arbeitskapazitäten und -bedingungen beeinflussen. Gleichzeitig soll hervorgehoben werden, daß sich Maßnahmen zur Verringerung der mit dem Älterwerden verbundenen Nachteile und zur Erhaltung von Arbeitskapazitäten sowohl für die Gesamtwirtschaft als auch für einzelne Unternehmen bezahlt machen. Die Vorzüge der Älteren werden herausgestellt, wodurch eine Änderung der Einstellungen dahin gehend bewirkt werden soll, daß berufliches Wissen und Erfahrung möglichst vieler älterer Personen im Arbeitsleben voll genutzt wird.
Teilnehmende Organe und Arbeitsgruppen
Hauptverantwortung für das Projekt trägt das Ministerium für Soziales und Gesundheit, doch auch die Ministerien für Arbeit bzw. Bildung spielen eine wichtige Rolle. Weitere beteiligte Organe sind das Ministerium für Handel und Industrie, die zentralen Arbeitsmarktorganisationen, die Vereinigung finnischer Lokal- und Regionalbehörden, die Sozialversicherungsanstalt, das Institut für Berufsgesundheit sowie Rentengesellschaften. Ein aus Vertretern der genannten Organe zusammengesetztes Beratungsgremium überwacht und kontrolliert die Durchführung des Programmes und bereitet alle erforderlichen weiterführenden Maßnahmen vor. Das Gremium wird von innerhalb der Ministerien eingerichteten Arbeitsgruppen sowie einer eigenen Medienabteilung unterstützt.
Aktuelle Situation und Zeitplan
Der Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Arbeit umfaßt eine Reihe von Maßnahmen, die auf eine Verbesserung des Status älterer Arbeitnehmer zielen. Die wichtigsten Maßnahmen sind:
- Einleitung einer Überprüfung der offiziellen Arbeitsmarktpolitik zu Beginn des Jahres 1998;
- nationale Ausweitung des 1996 und 1997 durchgeführten Pilotprojektes zur Erfassung der für ältere Langzeitarbeitslose erforderlichen Dienstleistungen mit Beginn 1998; diese gehören nun zum üblichen Dienstleistungsangebot der Arbeitsämter;
- Förderung der Möglichkeiten, durch die ältere Arbeitnehmer zur Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit angeregt werden sollen, seitens der Arbeitsämter und der Zentren für Beschäftigungs- und Wirtschaftsentwicklung;
- substantielle Erhöhung der Zahl älterer Arbeitnehmer, die ein Arbeitsmarkttraining für Erwachsene absolvieren oder in einem subventionierten Beschäftigungsverhältnis stehen;
- Erprobung individuell zugeschnittener Ausbildungsmethoden, die eng mit dem Arbeitsleben verknüpft sind;
- Ermutigung zur verstärkten Nutzung von Freistellung (job rotation) und von Systemen mit Teilzeitzulagen;
- Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer durch Vereinbarungen über flexible Arbeitszeiten und durch Maßnahmen zur Arbeitsplatzentwicklung;
- Erhöhung des zwischen den Arbeitsämtern stattfindenden Informationsaustausches über freie Stellen, die für eine Kombination von Teilzeitarbeit und Teilzeitrente geeignet sind;
- anhand einer Anfang 1998 gestarteten Erhebung zur Diskriminierung älterer Personen bei der Einstellung sollen Arten der Diskriminierung und die Wirkung rechtlicher Gegenmaßnahmen untersucht werden;
- besondere Berücksichtigung der speziellen Bedürfnisse älterer Arbeitnehmer bei der Personal- und Schulungsplanung von Firmen aufgrund der Änderung des 1997 in Kraft getretenen Mitbestimmungsgesetzes;
- Ermutigung zu verstärkter Interaktion zwischen den verschiedenen Altersgruppen am Arbeitsplatz;
- Bildung eines dauerhaften Potentiales zur Schaffung von Arbeitsplätzen durch lokale Anregungen und Kooperation sowie durch Formen kombinierter Unterstützung;
- Auswertung des persönlichen Fachwissens und der Aktivität Arbeitsloser zur Entwicklung neuer Dienstleistungsmöglichkeiten;
- im Rahmen eines umfassenden Ausbildungsprogrammes hat die Arbeitsverwaltung im Frühjahr 1998 die Schulung des eigenen Personals zu altersbezogenen Fragen geplant. Hierzu sollen in Zentren für Beschäftigungs- und Wirtschaftsentwicklung sowie in den Arbeitsämtern spezielle Mitarbeiter ernannt werden. Die Ausbildung der Schulungsleiter beginnt zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Im Herbst 1998 soll ein auf den Altersaspekt zielendes Seminar für Regierungsmitarbeiter stattfinden, die für die Betreuung von Langzeitarbeitslosen zuständig sind;
- Diskussion und Information über die besonderen Vorteile älterer und erfahrener Personen, damit dieser Erfahrungsschatz voll genutzt werden kann;
- in dem Bemühen, ein angenehmes Arbeitsleben und Managementpraktiken zu schaffen, die die Probleme des Alters berücksichtigen, sollen die Sozialpartner, Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen und Berater zusammenarbeiten;
- Einbeziehung der Medien zur Umsetzung der einzelnen Programmpunkte.
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