Die Arbeitswelt steht durch die sich in rasantem Tempo weiterentwickelnden elektronischen Medien und dem damit verbundenen vermehrten Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechniken vor einem tiefgreifenden strukturellen Wandel. Als eine moderne, diese Techniken nutzende Arbeitsform der Zukunft wird inzwischen auch in Deutschland die Telearbeit angesehen. Unterschiedliche Untersuchungen zeigen, daß sowohl auf Arbeitgeber- als auch auf Arbeitnehmerseite ein beachtliches Interesse an dieser Arbeitsform besteht, die in anderen Ländern, z.B. in den USA oder in Großbritannien, bereits seit längerer Zeit - und in wesentlich stärkerem Umfang als in Deutschland - zum Arbeitsalltag gehört.
Vor diesem Hintergrund wurde vom Bundesarbeitsministerium und vom Bundeswirtschaftsministerium die Initiative "Telearbeit" entwickelt. Ziele dieser Initiative sind:
- Setzen eines klaren Signals, die Vorteile und Chancen von Telearbeit in Deutschland verstärkt zu nutzen, um mögliche Beschäftigungspotentiale am Standort umfassend auszuschöpfen;
- Durchführung konkreter Maßnahmen, mit denen heute noch bestehende Hemmnisse identifiziert und beseitigt werden können;
- Aufklärung und Schaffung größtmöglicher Transparenz durch Information der potentiell Betroffenen (Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Selbständige), um die Akzeptanz gegenüber dieser Arbeitsform zu erhöhen.
Die Initiative bündelt einzelne Maßnahmen aus den Zuständigkeitsbereichen der jeweiligen Ressorts. Diese reichen von der Initiierung einer Informations- und Motivationskampagne über die Förderung von Telearbeitprojekten durch das Programm "Telearbeit im Mittelstand" des Bundesforschungsministeriums sowie im Rahmen der Regionalförderung bis hin zur Beseitigung von Rechtsunsicherheiten beim Umgang mit Telearbeit.
Im Rahmen des Beratungsangebots der Initiative "Telearbeit" haben das Bundesarbeitsministerium, das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesforschungsministerium in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom die Broschüre "Telearbeit - Ein Leitfaden für die Praxis" vorgelegt. Der Leitfaden richtet sich an Arbeitgeber und Beschäftigte in der Privatwirtschaft und in der öffentlichen Verwaltung. Er gibt Antworten auf technische, betriebswirtschaftliche, organisatorische sowie arbeits- und steuerrechtliche Fragen bei der Vorbereitung und Ausgestaltung von Telearbeit. Die Broschüre bietet anhand von Praxisbeispielen, Check-Listen und Musterbetriebsvereinbarungen konkrete Hilfestellungen für die Einrichtung von Telearbeitsplätzen.
Telearbeit ist nach Überzeugung der Bundesregierung eine zukunftsorientierte Arbeitsform, deren Potential bislang jedoch noch nicht voll genutzt wird. Nach einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Institutes gibt es in Deutschland derzeit rund 850.000 Telearbeiter, davon 500.000 im Bereich der mobilen Telearbeit. Der Leitfaden soll - insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen - bestehende Hemmnisse abbauen und damit zur Erhöhung der Akzeptanz dieser Arbeitsform beitragen.
Richtig konzipiert, kann Telearbeit allen nutzen: Unternehmen können durch höhere Produktivität, flexiblere Gestaltung der Arbeitszeiten, Rekrutierung und Sicherung qualifizierter Arbeitskräfte und Verringerung von Kosten, z.B. für Büromieten, Vorteile ziehen. Arbeitnehmer können sich ihre Arbeitszeit freier einteilen und lange Anfahrtswege und -zeiten vermeiden. Telearbeit kommt insbesondere Personen zugute, die durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen häuslich gebunden sind und Anschluß an den Beruf halten oder den Wiedereinstieg in den Beruf schaffen möchten.
Die bisher im Rahmen der Initiative "Telearbeit" durchgeführten Projekte und Untersuchungen zeigen, daß Telearbeit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Deutschland leisten kann.
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