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NATIONALE ARBEITSMARKTPOLITIKENInforMISEP Maßnahmen
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| Gesamtströme in und aus abhängiger | Ströme zwischen abhängiger Beschäftigung | |||||||||
| Beschäftigung (a) | und Selbständigkeit (b) | |||||||||
| Zustrom | Abstrom | Summe | Differenz | Zustrom | Abstrom | Summe | Differenz | Anteil | Anteil | |
| in abhän- | aus abhän- | (1+2) | (1-2) | in abhän- | aus abhän- | (5+6) | (5+6) | Zustrom (b) | Abstrom (b) | |
| gige Be- | giger Be- | gige Be- | giger Be- | an Zustrom | an Abstrom | |||||
| schäftigung | schäftigung | schäftigung | schäftigung | (a) | (a) | |||||
| (Spalte 5 / | (Spalte 6 / | |||||||||
| Spalte 1 | Spalte 2 | |||||||||
| x 100) | x 100) | |||||||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | |
| 1992 | ||||||||||
| B | 5,3 | 5,9 | 11,2 | -0,6 | 0,2 | 0,5 | 0,7 | -0,3 | 4,3 | 8,5 |
| D | 7,2 | 9,5 | 16,7 | -2,3 | 0,6 | 1,0 | 1,6 | -0,4 | 8,3 | 10,0 |
| E | 15,7 | 14,2 | 29,9 | 1,5 | 0,6 | 1,0 | 1,5 | -0,4 | 3,6 | 6,7 |
| F | 9,9 | 10,1 | 20,0 | -0,2 | 0,6 | 0,8 | 1,4 | -0,2 | 5,6 | 8,0 |
| G | 8,3 | 10,0 | 18,3 | -1,7 | 0,8 | 1,2 | 2,0 | -0,5 | 9,5 | 12,3 |
| IRL | 10,3 | 9,9 | 20,2 | 0,4 | 0,5 | 0,5 | 1,0 | 0,0 | 5,0 | 5,4 |
| I | 12,3 | 10,5 | 22,7 | 1,8 | 1,7 | 1,7 | 3,4 | 0,1 | 14,0 | 15,8 |
| L | 5,3 | 4,7 | 10,0 | 0,6 | 0,3 | 0,5 | 0,8 | -0,2 | 5,9 | 10,4 |
| NL | 10,2 | 8,1 | 18,4 | 2,1 | 0,5 | 0,4 | 0,9 | 0,0 | 4,6 | 5,4 |
| P | 8,1 | 7,6 | 15,7 | 0,5 | 1,0 | 1,4 | 2,4 | -0,3 | 12,9 | 17,8 |
| UK | 9,8 | 11,5 | 21,3 | -1,7 | 0,5 | 1,1 | 1,6 | -0,6 | 5,0 | 9,9 |
| 1995 | ||||||||||
| A | 11,0 | 6,8 | 17,8 | 4,1 | 1,2 | 1,4 | 2,6 | -0,2 | 11,0 | 20,0 |
| B | 5,8 | 6,8 | 12,6 | -1,0 | 0,2 | 0,4 | 0,6 | -0,2 | 3,7 | 6,2 |
| D | 8,5 | 7,8 | 16,3 | 0,7 | 0,6 | 1,4 | 2,0 | -0,8 | 6,9 | 17,6 |
| E | 17,0 | 12,2 | 29,3 | 4,8 | 0,5 | 0,9 | 1,4 | -0,4 | 3,0 | 7,0 |
| FIN | 14,7 | 12,2 | 26,9 | 2,6 | 0,3 | 0,0 | 0,3 | 0,2 | 1,7 | 0,4 |
| F | 11,0 | 9,2 | 20,1 | 1,8 | 0,4 | 0,7 | 1,0 | -0,3 | 3,2 | 7,4 |
| GR | 8,3 | 10,3 | 18,6 | -2,0 | 0,6 | 1,1 | 1,6 | -0,5 | 6,7 | 10,2 |
| IRL | 13,0 | 7,5 | 20,5 | 5,6 | 0,8 | 0,7 | 1,5 | 0,1 | 6,3 | 9,4 |
| I | 13,0 | 10,6 | 23,6 | 2,4 | 1,4 | 1,8 | 3,1 | -0,4 | 10,4 | 16,8 |
| L | 5,7 | 5,1 | 10,9 | 0,6 | 0,4 | 0,4 | 0,8 | -0,1 | 6,4 | 8,7 |
| NL | 9,5 | 9,2 | 18,6 | 0,3 | 0,3 | 0,6 | 0,9 | -0,4 | 2,7 | 6,7 |
| P | 8,3 | 8,7 | 17,0 | -0,4 | 0,9 | 1,7 | 2,7 | -0,8 | 11,5 | 20,1 |
| UK | 10,9 | 8,8 | 19,7 | 2,2 | 0,6 | 1,1 | 1,7 | -0,4 | 5,8 | 12,0 |
Der Anteil der Übergänge aus Selbständigkeit in abhängige Beschäftigung an allen Übergängen aus Selbständigkeit in neun EU-Mitgliedstaaten ist in Abbildung 5 dargestellt. Zwar konnte 1995 noch in fünf der neun EU-Mitgliedstaaten mehr als jede dritte Person nach Beendigung einer selbständigen Erwerbstätigkeit direkt in ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis wechseln - so in Belgien, Portugal, Italien, im Vereinigten Königreich und Deutschland -, doch ist in den meisten der hier betrachteten Mitgliedsländer - mit Ausnahme Belgiens und Portugals - der Anteil der Übergänge in abhängige Beschäftigung von 1989 zu 1995 gesunken. Dabei weisen die meisten dieser Länder das gleiche zeitliche Veränderungsmuster auf: Von 1989 zu 1993 sank der Anteil der Übergänge in abhängige Beschäftigung; von 1993 zu 1995 stieg er wieder an, ohne jedoch das Niveau von 1989 zu erreichen. In Griechenland und besonders ausgeprägt in Deutschland ist hingegen eine kontinuierliche Abnahme zu verzeichnen. Es fällt auf, daß gerade in Deutschland, den Niederlanden und im Vereinigten Königreich die Anteile der Übergänge in abhängige Beschäftigung von 1989 bis 1995 am stärksten zurückgingen, also in den Ländern, die die höchsten Zuwachsraten bei der Zahl der Selbständigen bis 1995 hatten (vgl. Abbildungen 1 und 2).
Anders hat sich dagegen das Übergangsgeschehen aus Selbständigkeit in Portugal entwickelt: 1995 wechselte fast jede zweite Person, die eine selbständige Erwerbstätigkeit aufgab, in ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis. Der in Frankreich, Spanien und Griechenland durchweg eher geringe Anteil der Übergänge in abhängige Beschäftigung dürfte vor allem auf die hohen - vermutlich altersbedingten - Übergänge in Inaktivität zurückzuführen sein. So wechselten 1989 in diesen Ländern zwischen gut 55 und fast 60% der Personen - inklusive der mithelfenden Familienangehörigen - aus Selbständigkeit in Inaktivität (OECD 1992). Nur in Portugal wurde 1989 eine ähnlich hohe Übergangsrate in Inaktivität (62,2%) erreicht. Auch hieran wird deutlich, daß sich in Portugal im Bereich der selbständigen Erwerbstätigkeit seit 1989 wesentliche Veränderungen ergeben haben.
Das Zugangsgeschehen in Selbständigkeit kann aus beschäftigungspolitischer Sicht unterschiedlich eingeschätzt werden. Untersuchungen haben gezeigt, daß die Überlebenschancen neugegründeter Unternehmen bei Personen, die aus abhängiger Beschäftigung in Selbständigkeit wechseln, höher sind als bei Personen, die ein Jahr zuvor nicht gearbeitet haben (vgl. OECD 1992). Andererseits ist mit einem Wechsel aus abhängiger Beschäftigung in Selbständigkeit - wie oben bereits angeführt - nicht zwangsläufig eine Zunahme des allgemeinen Beschäftigungsvolumens verbunden. Dagegen führen Übergänge aus Arbeitslosigkeit in Selbständigkeit zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit; Übergänge aus Inaktivität in Selbständigkeit erhöhen die Erwerbsbeteiligung.
In den meisten EU-Mitgliedstaaten ist die abhängige Beschäftigung die größte Quelle für die Ströme in Selbständigkeit. 1992 und 1995 waren im EU-Durchschnitt fast 60%, in Luxemburg, Portugal, Österreich und Deutschland sogar mehr als zwei Drittel der Personen, die eine selbständige Erwerbstätigkeit aufnahmen, ein Jahr zuvor abhängig beschäftigtgewesen. Während in den meisten EU-Mitgliedstaaten der Anteil der Übergänge aus abhängiger Beschäftigung von 1989 bis 1995 zunahm, sank er in diesem Zeitraum in den Niederlanden, in Portugal und im Vereinigten Königreich.
Dagegen gingen in allen EU-Mitgliedstaaten - mit Ausnahme der Niederlande - die Zugänge in Selbständigkeit aus Inaktivität (vgl. Abbildung 6) von 1989 bis 1995 anteilmäßig zurück. In den Niederlanden war nach einem Anstieg von 1989 bis 1992 auf gut 53% von 1992 bis 1995 ein Rückgang auf immer noch gut 46% zu verzeichnen. 1995 kam in Finnland und Italien den Zugängen aus Inaktivität mit 33% bzw. 31% ebenfalls große Bedeutung zu. In den Niederlanden dürfte der hohe Anteil der Zugänge aus Inaktivität in Selbständigkeit durch das (arbeitsmarktpolitische) Starthilfeprogramm für Selbständige mitbedingt sein, das neben den Beziehern von Arbeitslosenunterstützung auch Personen offensteht, die andere Sozialleistungen erhalten (BIB [= Basisinformationsbericht] Niederlande). Auch in Italien spielt hier die arbeitsmarktpolitische Existenzgründungsförderung eine wichtige Rolle. Mit arbeitsmarktpolitischen Programmen wird besonders die Unternehmensgründung von Frauen und Jugendlichen4 gefördert, von denen ein Großteil zuvor nicht erwerbstätig gewesen sein dürfte.5 Aber auch die hohe Bedeutung, die in Italien die selbständige Tätigkeit generell für Frauen hat - fast 17% der erwerbstätigen Frauen übten 1995 eine selbständige Tätigkeit aus, im EU-Durchschnitt waren es lediglich 9,4% (Eurostat 1995) -, könnte mit dazu beigetragen haben.
Bei den Zugängen aus Arbeitslosigkeit (vgl. Abbildung 6) ist die überdurchschnittlich hohe Rate in Finnland besonders auffällig. Fast 60% der Personen waren hier ein Jahr zuvor arbeitslos gewesen, bevor sie 1995 in Selbständigkeit wechselten. Die sehr hohe Arbeitslosenquote6 in Finnland - auch infolge des Zusammenbruchs der Handelsbeziehungen mit der ehemaligen UdSSR - dürfte das Übergangsgeschehen in Selbständigkeit wesentlich beeinflußt haben. Aber auch die Existenzgründungsförderung für Arbeitslose ist in Finnland entsprechend erweitert worden: Allein von 1992 zu 1994 wurde die Mittelausstattung auf 290 Mio. FIM fast verdoppelt (vgl. entsprechende BIB).
Mit Ausnahme von Irland und den Niederlanden stieg von 1989 zu 1995 in allen hier dargestellten EU-Mitgliedstaaten der Anteil der Zugänge aus Arbeitslosigkeit. Während in Griechenland, Luxemburg, Portugal und im Vereinigten Königreich eine relativ kontinuierliche Zunahme zu verzeichnen war, zeigte sich in den übrigen Mitgliedsländern, für die Daten über die drei Beobachtungsjahre vorhanden sind, das gleiche zeitliche Veränderungsmuster: In Belgien, Spanien, Frankreich, Irland, Italien und - bedingt - in den Niederlanden sank der Anteil von 1989 zu 1992 und stieg bis 1995 wieder an. Interessant ist dabei, daß in der Mehrzahl dieser Länder von 1989 zu 1992 auch die Arbeitslosigkeit zurückging. Nur in Spanien und Frankreich stieg in diesem Zeitraum die Arbeitslosenquote geringfügig. Während in Belgien, Irland, Italien und den Niederlanden offenbar auch die sinkende Arbeitslosigkeit zu einem Rückgang der Zugänge aus Arbeitslosigkeit in Selbständigkeit beitrug, war dies in Spanien wesentlich durch die eingeschränkte Existenzgründungsförderung für Arbeitslose mitbedingt, da die Zahl der Leistungsempfänger hier im Zeitraum von 1990 bis 1992 um fast ein Fünftel zurückging (vgl. entsprechende BIB). Auch in Frankreich läßt sich der Anstieg der Zugänge aus Arbeitslosigkeit von 1992 zu 1995 zum Teil auf die Existenzgründungsförderung für Arbeitslose zurückführen; in diesem Zeitraum wurde die finanzielle Ausstattung dieses Programmes deutlich ausgeweitet (vgl. Tabelle 2) und dürfte somit eine erhöhte Nachfrage bewirkt haben.
Zwar zeigt sich von 1989 bis 1995 nur in fünf der zwölf EU-Mitgliedsländer eine zeitlich parallele Entwicklung bei den Zugängen aus Arbeitslosigkeit in Selbständigkeit und der Arbeitslosenquote, so in Belgien, Griechenland, Italien, Luxemburg und - nur sehr bedingt - in den Niederlanden, doch dürften ökonomische Rahmenbedingungen, insbesondere die zunehmende Arbeitslosigkeit, nicht unwesentlich zur Entwicklung der Selbständigkeit in der EU beigetragen haben. Vor allem die Tatsache, daß es über den Beobachtungszeitraum in den meisten EU-Mitgliedsländern zunehmend weniger Personen gelingt, nach Beendigung einer selbständigen Erwerbstätigkeit eine abhängige Beschäftigung zu finden, scheint dies zu bestätigen. Aber auch der bis 1995 in den meisten Ländern steigende Anteil der Übergänge aus Arbeitslosigkeit in Selbständigkeit dürfte darauf zurückzuführen sein, daß nicht wenige Arbeitslose in der Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit die einzige Alternative zur Arbeitslosigkeit gesehen haben. Zudem haben viele Mitgliedsländer mit zunehmender Arbeitslosigkeit während der jüngsten Rezession ihre Existenzgründungsförderung für Arbeitslose ausgeweitet (Europäische Kommission 1995).
Der sich ebenfalls in fast allen EU-Ländern zeigende Rückgang des Anteils der Inaktiven, die in Selbständigkeit wechseln, könnte konjunkturell mitbedingt sein. Es scheint plausibel, daß eine Verschlechterung der ökonomischen Rahmenbedingungen bei einem Teil der Inaktiven dazu geführt hat, daß sie die Entscheidung, sich selbständig zu machen, verschieben oder ganz aufgeben (Meager 1992). Selbst bei der sich - in der Mehrheit der EU-Mitgliedsländer - zeigenden Zunahme des Anteils abhängig Beschäftigter, die eine selbständige Erwerbstätigkeit aufnehmen, können arbeitsmarktbedingte Gründe nicht ausgeschlossen werden. Denkbar ist, daß drohende Arbeitslosigkeit den Übergang aus abhängiger Beschäftigung in Selbständigkeit forciert. Andererseits kann eine Verschlechterung der ökonomischen Rahmenbedingungen gerade diejenigen der bisher abhängig Beschäftigten abschrecken, die eigentlich eine selbständige Erwerbstätigkeit favorisieren (Meager 1992). Bei diesen hier skizzierten Zusammenhängen muß daher berücksichtigt werden, daß es sich bei den Selbständigen keineswegs um eine homogene Gruppe handelt. Entsprechend unterschiedlich reagieren Personen auf ökonomische Rahmenbedingungen.
Beschäftigungspolitisch interessant ist auch ein Vergleich des Erwerbsstatus vor Selbständigkeit und nach deren Beendigung 1995. In Deutschland waren etwa vier Fünftel der Personen vor dem Zugang in Selbständigkeit abhängig beschäftigt gewesen. Jedoch gelang es von denjenigen, die ihre selbständige Tätigkeit beendeten, nur jedem Dritten, aus Selbständigkeit in abhängige Beschäftigung (zurück-)zuwechseln. In Portugal waren hingegen vor dem Eintritt in Selbständigkeit nahezu 30% ein Jahr zuvor arbeitslos oder nicht erwerbstätig gewesen, aber fast die Hälfte der Personen, die ihre selbständige Erwerbstätigkeit beendeten, fand bis zum darauffolgenden Jahr wieder eine reguläre abhängige Beschäftigung. Übergangsarbeitsmärkte müssen also idealerweise so beschaffen sein, daß sowohl die Brücke in Selbständigkeit arbeitsmarktpolitisch solide konstruiert als auch eine realistische Rückkehroption in abhängige Beschäftigung eröffnet wird.
Mit der arbeitsmarktpolitischen Existenzgründungsförderung wird einigen Arbeitslosen eine Alternative zur Arbeitslosigkeit eröffnet. Zudem können mit der Förderung Multiplikationseffekte erzielt werden, wenn die Geförderten weitere MitarbeiterInnen einstellen. Bereits in den achtziger Jahren konnten in den EU-Mitgliedstaaten - mit Ausnahme von Italien, Luxemburg, den Niederlanden und Österreich - Arbeitslose ihre Arbeitslosenunterstützung weiter beziehen, wenn sie sich selbständig machten (Europäische Kommission 1995). Mit steigender Arbeitslosigkeit hat die Förderung der Selbständigkeit als Beschäftigungsmöglichkeit für Arbeitslose seit Beginn der neunziger Jahre in fast allen EU-Ländern zunehmende Bedeutung gewonnen. Neue Programme wurden aufgelegt, bereits existierende Programme finanziell ausgeweitet und/oder hinsichtlich der Konditionen verbessert.7
In Tabelle 2 ist jedoch erkennbar, daß die Existenzgründungsprogramme in den hier dargestellten EU-Mitgliedsländern nur für einen sehr kleinen Kreis von Personen Bedeutung haben. Die Ausgaben zur Förderung der selbständigen Tätigkeit ehemals Arbeitsloser an den arbeitsmarktpolitischen Gesamtausgaben haben ebenfalls einen sehr geringen Anteil.
Diese Angaben lassen nur vorsichtige Schlüsse zu. Zum einen können die Ausgaben für Existenzgründungsförderung beispielsweise durch eine Ausweitung der öffentlichen Ausgaben für alle arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen anteilmäßig sinken. In Finnland wurden z.B. die öffentlichen Ausgaben für die Existenzgründungsförderung von 1992 zu 1994 fast verdoppelt (BIB Finnland), in Schweden von 1992/1993 zu 1993/1994 sogar verdreifacht (BIB Schweden). Auch hinsichtlich der TeilnehmerInnen läßt sich die Bedeutung dieser Programme nur bedingt ablesen. So hat sich in Griechenland (BIB Griechenland) die Zahl der ProgrammteilnehmerInnen von 1992 zu 1994 fast verdoppelt, in der Bundesrepublik Deutschland von 1994 zu 1995 sogar mehr als verdoppelt (Bundesanstalt für Arbeit 1996). Zudem ist Tabelle 2 nur auf arbeitsmarktpolitische Fördermittel für Arbeitslose beschränkt. Weitere Finanzierungsquellen, die auch anderen Existenzgründern zur Verfügung stehen, werden nicht erfaßt.8
Vor allem Schweden hat sein Existenzgründungsprogramm von 1992 bis 1995 ausgeweitet; es weist von den hier dargestellten EU-Ländern für 1995 die höchsten Zugangsraten zu diesem Programm auf.9 Aber auch in Frankreich, Finnland und der Bundesrepublik Deutschland10 sind in diesem Zeitraum zunehmend mehr öffentliche Mittel zur Förderung einer selbständigen Tätigkeit von Arbeitslosen verwendet worden; entsprechend haben auch mehr Personen an diesen Programmen teilgenommen. Dagegen sind in Griechenland, Dänemark und besonders deutlich in Spanien die Programme bis 1995 eingeschränkt worden. Interessant dabei ist, daß in diesen Ländern der Existenzgründungsförderung im Rahmen der arbeitsmarktpolitischen Gesamtausgaben noch 1992 - im Vergleich zu den anderen Ländern - die größte Bedeutung zugekommen ist.
Die Wirkungen der Existenzgründungsförderprogramme auf das Übergangsgeschehen in und aus Selbständigkeit werden auch von verschiedenen Programmbedingungen beeinflußt, so unter anderem von
1. der Art der finanziellen Förderung: In den meisten EU-Mitgliedsländern erhalten Arbeitslose, wenn sie sich selbständig machen, anstelle der Arbeitslosenunterstützung einen regelmäßigen Zuschuß. In Frankreich und Griechenland hingegen erfolgt die Förderung in Form einer einmaligen Pauschalsumme (vgl. entsprechende BIB). In Italien (vgl. inforMISEP "Maßnahmen" Nr. 55/1996) kann eine vorzeitige Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung beantragt werden (bis 1992 war dies auch in Spanien möglich; vgl. BIB Spanien);
2. den TeilnehmerInnen: Während in den meisten EU-Mitgliedsländern die arbeitsmarktpolitischen Existenzgründungsprogramme Arbeitslosen vorbehalten sind, können in den Niederlanden auch von Arbeitslosigkeit bedrohte ArbeitnehmerInnen daran teilnehmen. In einigen EU-Ländern werden arbeitsmarktpolitische Zielgruppen bevorzugt gefördert, so z.B. in Griechenland (Frauen, Langzeitarbeitslose, Behinderte), in Portugal (Jugendliche, Arbeitslose ab 45 Jahren, Langzeitarbeitslose; vgl. inforMISEP "Maßnahmen" Nr. 43/1993), in Italien (Frauen und Jugendliche) und in Belgien (Jugendliche) (vgl. BIB Belgien).
| Öffentliche Ausgaben in % | Öffentliche Ausgaben in % | Zustrom an TeilnehmerInnen | ||||
| des BIP | der Gesamtausgaben für | in % der Erwerbs- | ||||
| arbeitsmarktpolitische | bevölkerung | |||||
| Maßnahmen | ||||||
| 1992 | 1995 | 1992 | 1995 | 1992 | 1995 | |
| D | - | 0,03 | - | 0,57 | 0,1 | 0,2 |
| DK | 0,11 | 0,09 | 1,65 | 1,33 | 0,2 | 0,1 |
| E | 0,14 | 0,02 | 3,84 | 0,61 | 0,3 | 0,1 |
| FIN | 0,03 | 0,04 | 0,52 | 1,55 | 0,2 | 0,3 |
| F | 0,02 | 0,04 | 0,07 | 1,29 | 0,2 | 0,3 |
| GR | 0,03 | 0,01 | 3,75 | 1,32 | 0,2 | 0,1 |
| IRL | 0,02 | 0,02 | 0,48 | 0,44 | 0,1 | 0,1 |
| P | 0,02 | 0,03 | 1,22 | 1,72 | 0,2 | 0,2 |
| S | 0,04 | 0,07 | 0,69 | 0,2 | 0,4 | |
| UK | 0,01 | 0,01 | 0,45 | 0,56 | 0,1 | - |
Quellen: OECD: Employment Outlook, 1995, 1996.
Selbständigkeit kann unter gewissen Voraussetzungen eine Alternative zur Arbeitslosigkeit darstellen. Der zunehmende Anteil der Personen, die aus Arbeitslosigkeit in Selbständigkeit wechseln, scheint dies in den meisten EU-Mitgliedstaaten zu bestätigen. Zudem kann Selbständigkeit eine Brücke in abhängige Beschäftigung sein. In den letzten Jahren ist jedoch der Anteil derjenigen, die nach Aufgabe der Selbständigkeit eine abhängige Erwerbstätigkeit aufnahmen, in vielen EU-Ländern gesunken.
Daher darf eine arbeitsmarktpolitische Existenzgründungsförderung die möglichen negativen Konsequenzen nicht außer acht lassen, die eine Phase der Selbständigkeit für Betroffene haben kann, sofern sie ihre selbständige Tätigkeit aufgeben müssen (Verschuldung, Verlust des Anspruchs auf Arbeitslosenunterstützung11 etc.). Aus diesen Gründen scheint eine arbeitsmarktpolitische Begleitung durch Existenzgründungsförderung sinnvoll, die die individuellen Risiken einer Existenzgründung institutionell abfedert. Dies könnte auch die gesamtgesellschaftlichen Kosten minimieren. Eine Möglichkeit für Länder, in denen die Anspruchsberechtigung auf Arbeitslosenunterstützung auf dem Versicherungsprinzip basiert, besteht z.B. darin, erstmaligen Existenzgründern die (befristete) Möglichkeit einer freiwilligen Mitgliedschaft in der Arbeitslosenversicherung zu ermöglichen (Semlinger 1995).
Zudem wären weitere Untersuchungen wünschenswert, die mögliche Effekte der Existenzgründungsförderung auf die "Beschäftigungsfähigkeit" insbesondere zuvor arbeitsloser TeilnehmerInnen analysieren. Darüber können aber nur hinreichend langen Längsschnitterhebungen Aufschluß geben. Die Bedeutung der Selbständigkeit als Übergangsarbeitsmarkt mit steigender Relevanz konnte auch anhand der Querschnittsdaten der Europäischen Arbeitskräftestichprobe aufgezeigt werden. Wichtig ist jedoch die Berücksichtigung der Ströme in und auch aus Selbständigkeit. Kurzsichtiges Verstärken allein der Übergänge in Selbständigkeit kann, bei fehlender Nachhaltigkeit, zusätzliche Probleme schaffen, die mit einer Zeitverzögerung von zwei bis drei Jahren eintreten. Im Rahmen der aktuellen Diskussionen um die "Beschäftigungsfähigkeit" von Arbeitslosen sollten Programme für zuvor arbeitslose Existenzgründer zusätzliche Bedeutung erlangen, insbesondere wenn die nachgelagerte Brücke von Selbständigkeit in abhängige Beschäftigung ebenfalls hinreichend tragfähig gestaltet wird.
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