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NATIONALE ARBEITSMARKTPOLITIKEN

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Portugal
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Portugal


13.1. Einleitung

In Portugal ist die Beschäftigungsquote der ältesten Arbeitnehmer eine der höchsten in der Europäischen Union (für die Altersgruppe 55-64 Jahre beträgt sie 46,9% gegenüber einem EU-Durchschnitt von 35,9% in 19971). Die Arbeitslosenquote dieser Arbeitnehmer (> 54 Jahre) liegt unter dem nationalen Mittel (3,7% gegenüber 6,7%), während ihre Langzeitarbeitslosenquote höher als der Durchschnitt ist (60,5% gegenüber 42,5%2). Mehr als 74% dieser Arbeitnehmer verfügen höchstens über eine vierjährige Schulbildung3.

Was die demographische Entwicklung angeht, so ist die Situation in Portugal wie in den anderen europäischen Ländern durch eine Alterung der Bevölkerung gekennzeichnet, und dies sowohl an der Spitze als auch Basis der Alterspyramide (der Anteil Jugendlicher ist von 29% in 1960 auf 18% in 1995 gefallen). Diese Entwicklung erklärt sich aus einem Geburtenrückgang (die Bruttoquote ist hier von 3,1 in 1960 auf 1,4 in 1995 gefallen) sowie aus der Zunahme der Lebenserwartung (61,2 Jahre in 1960 gegenüber 71,6 Jahre in 1995 für Männer bzw. 66,8 Jahre gegenüber 78,6 Jahre für Frauen). Diese demographischen Veränderungen spiegeln sich auf dem Arbeitsmarkt wider: Zwischen 1992 und 1997 stieg der Anteil der Erwerbsbevölkerung ab 54 Jahren um 24,6%.

Laut Prognose wird bis 2020 der Anteil der mindestens 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von 14,7% in 1995 auf 18% zunehmen. Erwerbstätige Erwachsene zwischen 50 und 64 Jahren werden in 2020 einen Anteil von 20,4% an der gesamten Erwerbsbevölkerung stellen, verglichen mit 16,5% in 1995. Die Zahl der über 65-Jährigen wird in 2000 die Zahl der unter 14-Jährigen übersteigen und der Alterungsindex (Zahl der Älteren auf 100 Jugendliche) in 2015 bei über 100 liegen (gegenüber 83,5 in 1995). Bis 2010 wird der Anteil der Älteren an der Erwerbsbevölkerung stabil bleiben und danach ansteigen.

Die Bevölkerungsalterung übt auf die Entwicklung des Sozialversicherungssystems eindeutig einen extrem starken Druck aus, was auf eine Minderung der Einnahmen und eine Steigerung der Ausgaben zurückzuführen ist. Entgegen den in den anderen EU-Ländern beobachteten Trends, die eine relativ befriedigende sozioökonomische Situation der Älteren anzeigen, sind in Portugal die Lebensbedingungen dieser Personengruppe sehr prekär4, woraus sich erklärt, dass einige Untersuchungen die Älteren als eine der sozial verwundbarsten, von Armut bedrohten Gruppen einstufen. Der Abbau der informellen Sicherungsnetze (von einigen Autoren als portugiesische "Vorsehungsgesellschaft" bezeichnet), macht eine Umstrukturierung der sozialen Schutzmechanismen unerlässlich, erfordert aber zugleich eine aufmerksame Beobachtung der Entwicklung der Beziehungen zwischen Älteren und den Familienstrukturen.

1993 betrug in Portugal das Verhältnis von Aufwendungen für sozialen Schutz zum BIP 18% (gegenüber 28% in EU-12), und das System wird erst zwischen 2010 und 2015 vom Zusammenbruch bedroht. Auf Alters- und Erwerbsunfähigkeitsrenten entfallen 73% der Gesamtausgaben für soziale Sicherheit (ohne Leistungen der Krankenversicherungsträger). Diese Ausgaben wachsen mit einer Rate von 8%, während die Zahl der Leistungsempfänger mit einer Rate von 4,4% zunimmt (auf Erwerbsunfähigkeitsrenten entfallen noch 20% der Ausgaben, doch nimmt die Zahl ihrer Empfänger seit 1990 ab). Somit wachsen die mit der Bevölkerungsentwicklung unmittelbar verknüpften Ausgaben sehr rasch, wobei dieser Faktor immer stärker ins Gewicht fällt, da die Lebenserwartung nach Eintritt in das Rentenalter ständig zunimmt.

Eine Umstrukturierung des Systems der sozialen Sicherheit erscheint daher unerlässlich, um sein Fortbestehen zu garantieren. Die sozioökonomische Verwundbarkeit der Betroffenen verlangt auch nach spezifischen beschäftigungspolitischen Maßnahmen (Berufsbildung bestimmter Gruppen dieser Bevölkerung aufgrund ihres niedrigen Bildungsstands und der Ausweitung der sich gegenwärtig vollziehenden sektoriellen Umstrukturierungen) sowie die Entwicklung neuer Tätigkeitsfelder (um der Gefahr der Arbeitslosigkeit zu begegnen).

13.2. Aenderungen des politischen Rahmens: neuere Entwicklungen

Im Rahmen der Leitlinie 4 definiert der Nationale Beschäftigungsplan für 1999 als Ziel "die Aufrechterhaltung des Beschäftigungsniveaus der Altersgruppe 50 bis 64 Jahre". Es handelt sich also eher darum, vorzeitigem Verlassen des Arbeitsmarkts Einhalt zu gebieten, als um eine Förderung "aktiven Alterns". Die 1999 neu einzusetzenden Instrumente sind:

  • - Anwendung des Systems der Flexibilisierung des Rentenalters;
  • - Neuordnung des Steuer- und Abgabenrahmens für Arbeitskräfteangebot und -nachfrage sowie sämtlicher Maßnahmen, die den vorzeitigen Abgang aus dem Erwerbsleben fördern;
  • - Revision des Arbeitslosenunterstützungs-Systems, so dass den Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt hemmende Faktoren möglichst ausgeschaltet werden.

    13.2.1. Maßnahmen im Hinblick auf das (gesetzliche) Rentenalter und Wege zum Vorruhestand

    Das gesetzliche Rentenalter liegt für alle Arbeitnehmer gegenwärtig bei 65 Jahren, da vor einigen Jahren beschlossen wurde, das Rentenalter für Frauen von 63 auf 65 Jahre anzuheben.

    Die Rechtsform des Vorruhestands wurde 1991 eingeführt, und zwar im Wesentlichen als sozialpolitische Maßnahme für Arbeitnehmer, denen die Anpassung an Veränderungen in Technologie und Management Schwierigkeiten bereitet. Obwohl die Maßnahme ursprünglich vor allem für Umstrukturierungsfälle vorgesehen war, ist eine Tendenz zur Ausweitung auf andere Sektoren und Berufe festzustellen, eine Situation, die gleichermaßen für die Frührenten gilt (siehe weiter unten).

    13.2.2. Maßnahmen zur Steigerung der Erwerbsquoten älterer Arbeitnehmer

    Maßnahmen zur Steigerung der Erwerbsquoten älterer Arbeitnehmer und zu ihrer Rückhaltung auf dem Arbeitsmarkt bzw. ihrer Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt

    Es existieren zwar diverse Instrumente, die die Reintegration von Arbeitnehmern begünstigen, doch zielt von diesen keines direkt auf ältere Arbeitnehmer:

  • - allgemeine Beihilfemaßnahmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen, von denen einige positive Diskriminierung zugunsten arbeitsloser Frauen über 45 Jahre vorsehen;
  • - Hilfsmaßnahmen zur Beschäftigungssuche (Förderung des Selbstvertrauens, individuelle Betreuung usw.) für Langzeitarbeitslose und die Ältesten;
  • - Beschäftigungsprogramme für die Wiedereingliederung der schwächsten Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt (jüngste Daten zeigen, dass Personen ab 45 Jahren etwa 25% der Beschäftigten stellen).

    Der Nationale Plan für Beschäftigung sieht den Start des sogenannten "Crack Club"-Programms vor, das das Know-how hochqualifizierter Rentner nutzbar machen soll, indem es ihre Kenntnisse und Erfahrungen durch Berufsbildungsmaßnahmen und/oder technische Hilfsmaßnahmen zugunsten von Unternehmen oder neuen Projekten anderen zugänglich macht.

    Mit Verabschiedung der Gesetzesverordnung Nr. 119/99 vom 14. April 1999 sieht die Arbeitslosenversicherung eine Teilarbeitslosenunterstützung vor, das unter anderem mit Teilzeitarbeit, der Ausübung einer "Berufstätigkeit" oder subventionierten Berufsbildungsmaßnahmen angesammelt werden kann5.

    Die Situation des portugiesischen Arbeitsmarkts verlangt keine dringliche Förderung des aktiven Alterns, woraus sich erklärt, warum es keine echte Politik gibt, die ausdrücklich auf die Rückhaltung von Arbeitnehmern in Beschäftigung zielt. Das Sozialversicherungssystem umfasst jedoch gewisse Maßnahmen, die dem vorzeitigen Rückzug von der Erwerbstätigkeit entgegenwirken. Einer der Anreize zum Verbleib in der Erwerbsbevölkerung ist die Möglichkeit, die Altersrente - und unter bestimmten Bedingungen die Erwerbsunfähigkeitsrente - mit Einkünften aus Arbeit zu kumulieren - eine Maßnahme, die auch mit einer Senkung der Sozialversicherungsbeiträge einhergeht.

    13.2.3. Maßnahmen zur Förderung flexibler (Teilzeit-)Arbeit sowie Vorschriften über den allmählichen Rückzug vom Arbeitsmarkt

    Mit der Gesetzesverordnung Nr. 6/99 vom 8. Januar 1999 wurde ein System der Flexibilisierung des Rentenalters in Abhängigkeit vom Beitragsprofil des Arbeitnehmers eingeführt, das Arbeitnehmern mit kompletten Beitragszahlungen die freie Wahl des Rentenalters gestattet, was der in der EU allgemein üblichen Praxis entspricht (Beschluss des Europäischen Rats Nr. 82/857/CEE). Das System sieht die Anwendung eines Reduktionsfaktors für die gesetzliche Rente im Fall der Vorverlegung des Rentenalters vor (das bis zur Vollendung des 55. Lebensjahres vorgezogen werden kann) sowie eines Prämiensatzes von 10% pro Jahr für Arbeitnehmer über 65 Jahre und mit einer Beitragsleistung von mindestens 40 Jahren, die bis zum Alter von 70 Jahren erwerbstätig bleiben.

    Was Teilzeitarbeit betrifft, so hat die Regierung der Nationalversammlung erst kürzlich einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Rechtsvorschriften für Teilzeitarbeit definiert und Anreize zu ihrer Förderung vorsieht. Eventuell kommen Vorschriften dieser Art den ältesten Arbeitnehmern zugute, indem sie ihnen die Möglichkeit eröffnen, sich schrittweise aus dem Erwerbsleben zurückzuziehen.

    13.3. Entwicklungen auf Unternehmens- und Branchenebene

    Die Maßnahmen zur sektoriellen Umstrukturierung werden von gewissen spezifischen Regelungen für die ältesten Arbeitnehmer begleitet. Hierzu zählen die Verlängerung der Gewährungsdauer von Arbeitslosenunterstützung (diese kann für Arbeitslose über 45 Jahre auf maximal 30 Monate ausgedehnt werden) oder die Erhöhung bestimmter Familienleistungen. Weitere Maßnahmen sind die Vorruhestandsvereinbarungen (für bestimmte in Umstrukturierung befindliche Sektoren bzw. Unternehmen), die eine Minderung der Beitragssätze regeln, sowie die vorgezogene Rente.

    Die 1993 für Arbeitnehmer über 60 Jahre eingeführte vorgezogene Rente war ursprünglich für körperlich anstrengende Berufe vorgesehen (Seeleute, Hafenarbeiter, Bergleute). Aufgrund der Unfähigkeit des Arbeitsmarkts zur Aufnahme des Arbeitskräfteangebots und der Notwendigkeit der Flexibilisierung bestimmter Wirtschaftssektoren bzw. Unternehmen wurde die Maßnahme jedoch allmählich auf andere Erwerbstätigkeiten ausgedehnt.

    Für 1995/96 vorliegende Daten zeigen, dass etwa 50.000 Personen (darunter nur 5.000 Frauen) aus arbeitsmarktbedingten Gründen vorgezogene Renten bezogen. Wie beim Vorruhestand sind diese Maßnahmen mit Anpassungen gekoppelt, die in Zusammenhang mit laufenden Umstrukturierungen stehen, bei denen es sich um den bevorzugten Mechanismus externer Flexibilisierung von Arbeitskräften höheren Alters handelt. Dieses Ziel teilt die Maßnahme, die vor allem Seeleute, Hafenarbeiter, Bergleute und Arbeitnehmer der Hüttenindustrie betrifft, mit diversen in den letzten 25 Jahren geschaffenen Rechtsinstrumenten.

    13.4.1. Einkommenssituation und Rentenerwartung

    Die Kenntnis des Rentenniveaus stellt eine sehr wichtige Grundlage für die angemessene Einschätzung der Förderung aktiven Alterns dar. Das mittlere Niveau der portugiesischen Einkommen zählt zu den niedrigsten Europas, was - wie aus Tabelle 1 ersichtlich - ebenfalls für die Altersrenten gilt.

    Das mittlere Niveau der gezahlten Renten liegt unter dem nationalen Mindestlohn, der netto etwa an der Armutsgrenze liegt. Dies bedeutet, dass die große Mehrheit der alten Menschen einen extrem niedrigen Lebensstandard besitzt, da viele dieser Rentnerinnen und Rentner nur eine sehr kurze Beitragshistorie (Zahl der Sozialversicherungsbeitragsjahre des Arbeitnehmers) haben und daher nicht die Mindestrente beziehen (die sich 1996 auf weniger als 30.000 PTE belief). Mit steigender Zahl der Beitragsjahre verbessert sich die Situation der Rentner, wobei Renten, die einer kompletten Beitragshistorie entsprechen, deutlich höher liegen als der Mindestlohn, aber immer noch niedriger sind als das durchschnittliche Arbeitsentgelt.

    Daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen:

    1. Mit der "Reifung" des Systems6 werden die Aufwendungen für soziale Sicherheit wesentlich zunehmen, da die Beitragshistorien und somit der Betrag der Renten bis 2015 ständig wachsen werden. Ferner wird 2015 die Zahl der Rentner sechsmal so groß sein wie heute. Die gemeinsame Wirkung dieser Entwicklungen lässt eine 50%ige Zunahme des für Altersrenten aufgewandten Anteils am BIP erwarten.

    2. Die übergroße Mehrheit der Arbeitnehmer hat keinerlei wirtschaftliches Interesse an einer Aufgabe der Erwerbstätigkeit vor dem Rentenalter, da dies Einkünfte noch unter ihrem gegenwärtigen Lohn bedeuten würde. Nur wenige Arbeitnehmer, die über eine komplette Beitragshistorie und ein sehr hohes Einkommen verfügen, können bereitwillig eine vorgezogene Rente akzeptieren. Was aktives Altern betrifft, sind es gerade diese letztgenannten Arbeitnehmer mit überdurchschnittlichem Bildungsstand, die es eventuell vorzögen, über das Rentenalter hinaus erwerbstätig zu bleiben. Die Mehrzahl der anderen Arbeitnehmer, die in ihrer Tätigkeit keine Befriedigung finden (vor allem unter Berücksichtigung der Art der Beschäftigungen und der produktiven Spezialisierung des portugiesischen Wirtschaftsgeflechts, das durch niedrige Qualifikation der Arbeitnehmer und Arbeitsplätze gekennzeichnet ist), wünschen nichts anderes als das Ende ihres Arbeitslebens herbei - wenn dies wirtschaftlich machbar ist.

    13.4.2. Tabelle 1: Altersrente (in PTE) - Berechnung in Abhängigkeit von der Referenzvergütung

    Mittelwerte zu Jahresbeginn 1990 1994 1996 1997*
    Mittleres Arbeitsentgelt a) 67.808 112.925 124.580 127.196
    Nationaler Mindestlohn (SMN) 35.000 49.300 54.600 56.700
    Mittlere Rente (PM) 25.140 39.490 44.710 46.800
    % PM/SMN (inkl. aller Renten) 72 80 82 83
    Mittlere Beitragshistorie (in Jahren) b) 20 21 22 24
    Rente bei mittlerer Beitragshistorie (PCM) 29.836 47.429 54.815 61.054
    % PCM/PM 119 120 123 130
    % PCM/SMN 85 96 100 108
    Komplette Beitragshistorie (in Jahren) 37 40 40 40
    Rente bei kompletter Beitragshistorie (PCC) 54.246 90.340 99.664 101.757
    % PCC/PM 216 229 223 217
    % PCC/SMN 155 183 183 179

  • * Die Werte für 1997 wurden aktualisiert, indem auf das mittlere Einkommen für 1996 eine Inflationsrate von 2,1% angewandt wurde.

    a Entspricht dem Durchschnittsverdienst (ein Indikator, der dem Begriff der Berechnungsgrundlage der Sozialversicherungsbeiträge am nächsten kommt).

    b Entspricht der Zahl der Jahre, in denen die Arbeitnehmer Beiträge geleistet haben.

    Quelle: Ministerium für Arbeit, Abteilung für Arbeits-, Beschäftigungs- und Berufsbildungsstatistik: Quadros do Pessoal.

    13.4.3. Zugang zu Berufsbildung und lebenslangem Lernen

    Das Bildungsniveau der portugiesischen Erwerbsbevölkerung ist besonders niedrig, insbesondere bei Personen über 40 Jahre. Im Rahmen der Leitlinie 6 widmet der Nationale Plan für Beschäftigung dem Zugang zu lebenslangem Lernen für Arbeitnehmer über 45 Jahre besondere Aufmerksamkeit.

    Zu den für 1999 vorgesehenen neuen Maßnahmen gehört die AUSDAUER-Initiative, die durch Informations-, Orientierungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen die lebenslange Allgemein- und Berufsbildung fördern soll. Ferner zählen hierzu die Kollektivverhandlung über diese Themen, die Entwicklung neuer Berufsbildungsmethodologien sowie die Verstärkung der beruflichen Fortbildung, der Allgemein- und Berufsbildungsprogramme und der Erwachsenenbildung. Die Entwicklung des Programms "Gesellschaftsprojekt: S@voir+" ("mehr wissen") trägt zu diesem Ziel bei und beinhaltet insbesondere die Schaffung eines nationalen Amts für Erwachsenenbildung und -berufsbildung, die Einrichtung von "Clubs s@voir", den allmählichen Aufbau eines formellen Validierungssystems für informell erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten sowie die Förderung einer Ausschreibung für die Hilfe zugunsten von Erwachsenenbildungs- und Berufsbildungsinitiativen.

    13.4.4. Wahl zwischen Vorruhestand und Arbeitslosigkeit

    Obwohl bisher keine Studie zu diesem Thema vorliegt, ist es sehr wahrscheinlich, dass viele der über 50-jährigen Arbeitnehmer nur sehr reduziert vermittelbar sind. Angesichts der Perspektive, arbeitslos zu werden, suchen sich viele ein minimales Einkommensniveau zu sichern, indem sie vom Vorruhestand oder von der vorgezogenen Rente bzw. von anderen, informelleren "Arrangements"7 Gebrauch machen. Innerhalb der verschiedenen Systeme der sozialen Sicherheit bildet die Zahl der Entlassungen aufgrund von Erwerbsunfähigkeit (1996 fast 40.000 Fälle) einen diese Situation besonders erhellenden Indikator. Wenngleich rückläufig, bleibt ihre Zahl von erheblicher Größe. Mehrere Indizes zeigen, dass die Nachfrage nach Teilnahme an dieser Maßnahme mit den auf dem Arbeitsmarkt vorhandenen Eingliederungsproblemen zusammenhängt. Der sehr niedrige Rentenbetrag fördert jedoch die Suche nach Erwerbstätigkeiten, die - wenn auch prekär - eine zusätzliche Einkommensquelle bilden.

    13.5. Schlussbemerkung: politische Optionen

    Trotz der vermutlich geringen Neigung eines großen Teils der Erwerbsbevölkerung zu aktivem Altern hat eine 1996 vom ehemaligen Minister für Soziale Solidarität beauftragte Kommission mehrere Szenarien für die Beurteilung der erforderlichen Reformen der Sozialversicherung (siehe weiter oben) erarbeitet. So wurde eine Heraufsetzung des Rentenalters sowie eine Flexibilisierung des Eintritts in den Ruhestand erwogen. Die Anhebung des Rentenalters von 65 auf 68 Jahre, die seit 1997 durch Versetzen der Grenze um jährlich ein Jahr erfolgt, verschiebt das Auftreten eines Minussaldos der Gesamtkosten des Systems im Verhältnis zum BIP um fünf Jahre. Obwohl dies das Problem der finanziellen Nachhaltigkeit der sozialen Sicherheit nicht löst, ist der so gewonnene zusätzliche Handlungsspielraum nicht unerheblich. Aus verschiedenen Gründen findet diese Heraufsetzung des Rentenalters allerdings nicht die Zustimmung der Experten. Die Argumente zugunsten eines höheren Rentenalters sind:

  • - der immer spätere Eintritt in den Arbeitsmarkt aufgrund verlängerter Berufsgrundbildung;
  • - die anhaltende Zunahme der Lebenserwartung bei Rentnern;
  • - die Tertiarisierung der Wirtschaft (Rückgang der körperlich anstrengenden Berufe).

    Das Hauptargument gegen eine Anhebung des Rentenalters betrifft die Tatsache, dass die Rentner des kommenden Jahrzehnts zum großen Teil ehemalige Arbeitnehmer sein werden, die sehr früh in den Arbeitsmarkt, und zwar in sehr anstrengende Berufe, eingetreten sind (Frauen in die Textilindustrie, Männer in die Bereiche Hüttenwesen, Maschinenbau und Baugewerbe). Dagegen besteht Einmütigkeit hinsichtlich der Flexibilisierung des Rentenalters durch folgende Mittel:

  • - positive Anreize zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit (Rentenzuschläge entsprechend der Verlängerung des Erwerbslebens über 65 Jahre hinaus);
  • - Zulässigkeit des Übergangs in Altersrente für Arbeitnehmer von 62 bis 65 Jahren, die bereits 40 Jahre lang Beiträge geleistet haben;
  • - Abschreckungsmittel gegen die vorgezogene Rente, die (mit Ausnahme gesetzlich vorgesehener Fälle) gegenwärtig vor dem 65. Lebensjahr unzulässig ist, aber künftig unter Rentenkürzung in Abhängigkeit von der Beitragshistorie zugelassen sein soll. Eine Revision aller Bestimmungen über die vorgezogene Rente wird gleichfalls empfohlen.

    Auch war in der im Dezember 1996 zwischen Regierung und einigen Sozialpartnern geschlossenen Vereinbarung über Strategische Konzertierung ein Bündel von Maßnahmen vorgesehen, zu denen folgende zählen: Möglichkeit des allmählichen Rückzugs von der Erwerbstätigkeit oder Teilrente; Umwandlung von Arbeitsverträgen in befristete Verträge, wenn die Arbeitnehmer das gesetzliche Rentenalter erreichen; Minderung des Sozialversicherungsbeitragssatzes der Arbeitgeber für vollständige Beitragshistorien. Viele Elemente dieser Vereinbarung sind jedoch noch nicht in konkrete Maßnahmen umgesetzt worden.

    Was die Haltung der Arbeitnehmer selbst angeht, so üben diverse soziale Gruppen Druck auf den Staat aus, um eine Förderung des vorzeitigen Ausscheidens aus dem Arbeitsmarkt durchzusetzen. Dies spiegelt die großen Probleme älterer Erwerbspersonen wider, wenn es darum geht, erneut auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen oder auch nur bestehende Beschäftigungsverhältnisse aufrechtzuerhalten.

    Trotz vor kurzem getroffener Maßnahmen zur Flexibilisierung der Arbeitszeit und des Rentenalters stößt in Portugal das Aufkommen moderner Organisationsformen des Lebenszyklus auf sehr starke Hindernisse, da unqualifizierte Arbeitsplätze, sehr niedrige Arbeitsentgelte, kurze Beitragshistorien und ein niedriges Rentenniveau sämtlich Elemente sind, die vielmehr für eine Verlängerung des Berufslebens sprächen, wenn dieses nur eine höhere Qualität aufwiese.

    So ist für das gesamte Erwerbsleben die Maximierung der Einkünfte tendenziell die grundlegende und allgemein getroffene Wahl der Arbeitnehmer. Vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt ist in Portugal häufig unfreiwillig, wenn es in bestimmten, stark von Arbeitslosigkeit betroffenen Sektoren oder Berufen erfolgt.

    Helena Lopes & Rui Fiolhais

    13.5.1. Ausgewählte Literatur

    Comissão do Livro Branco da Segurança Social (1998): Livro Branco da Segurança Social.

    Ministério do Equipamento, do Planeamento e da Administração do Território (MEPAT) (1998): Plano de Desenvolvimento Económico e Social.

    Ministério do Trabalho e da Solidariedade (1999): Plano Nacional de Emprego para 1999.

    Ministério do Trabalho e da Solidariedade - Instituto de Gestão Financeira da Segurança Social (MTS-IGFSS) (1998): Estatísticas da Segurança Social - Dados Físicos 1996.

    OECD (1998): Perspectives de l'Emploi. Paris.


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